(17) Für den Rest der Menschheit geht es um die Frage, ob sich der Gedanke eines wirkursächlichen, also determinierenden Schöpfers mit der Beschaffenheit unserer Welt verträgt; einschließlich ihrer menschlichen Komponente; das heißt: ob ein wirkursächlicher Schöpfer aus dem Nichts nicht nur wegen qualifizierten Mangels an Beweisen nicht existiert, und überflüssigerweise dann auch noch wegen Anstößigkeit und Absurdität – was aber genügen würde, um ihn
abzulehnen – ; sondern ob er erwiesenermaßen nicht existiert – was strenggenommen aber auch schon auf Grund des bisher Gesagten feststeht.

(18) Ein ganz bestimmtes populäres und zugleich begrifflich äußerst klares und konsequentes Denken richtet sich auch an diesem Punkt sofort auf die besagte schwere ethische Mangelhaftigkeit der „Schöpfung": „Ein Tier frisst das andere"; wir Menschen sind zum Teil ein bisschen feiner, aber nicht besser. Und so weiter, ohne langweilige Aufzählung von Einzelheiten; aber mit der Schlussfolgerung, dass sich die Welt mit einem gütigen und gerechten, wirkursächlichen und determinierenden Schöpfer aus dem Nichts nicht verträgt. Oder – um über den populären Aspekt hinauszugehen – ist Gott vielleicht teils gut, teils böse, da man das Entsprechende zur Not ja auch von der Schöpfung sagen kann, die er determiniert hat? Aber man bedenke seine ungeheure Macht: da er uns ja nicht etwa „aus Lehm der Erde", sondern „aus Nichts" geschaffen haben soll. Müsste ein solcher Gott nicht ganz zu verwerfen sein, auch wenn er nur teilweise böse gehandelt hätte? So wie nach der Lehre der Kirche sogar für uns Menschen auch nur eine einzige schwere Sünde, ungesühnt, die Verdammnis zur Folge hat? Oder ähnlich, wie der Priester in Albert Camus´ Die Pest in einer seiner Predigten sagt, in der gegebenen moralisch zugespitzten Situation der Todesdrohung für jeden Einzelnen sei jede Sünde eine schwere Sünde? Ganz sicher würde sich für den besagten übermächtigen Gott die ethische Situation noch sehr viel mehr zuspitzen; ganz sicher wäre er, im Gegensatz zu uns und der übrigen Welt, überhaupt von lückenloser Konsequenz – und unsere Welt wäre, wenn es einen solchen Gott gäbe, so denn auch gleich die vollendete Hölle. Was sie aber nicht ist. Mit der entsprechenden Konklusion.

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