inzwischen sind, nach diesen Aphorismen, sechs Jahre vergangen. Und ihr seht an dem folgenden Inhaltsverzeichnis, dass ich angefangen habe, meine Argumente in ihrem Zusammenhang von „Gott, Freiheit und Unsterblichkeit“ und unabhängig von den Kierkegaard-Ausgaben, umso gründlicher noch einmal auszuführen. Außerdem aber hat sich, seit der Zeit der Kierkegaard-Ausgaben, eine alte Wahrheit aufs Neue als richtig erwiesen. Und zwar dieses Mal so atemberaubend direkt, wie es sich bisher vielleicht nicht ein einziges Mal, in jedem Fall aber nur mit astronomischer Seltenheit ereignet hat. Die Wahrheit, um die es geht,liegt in Gestalt menschlicher Gedanken und Absichten geradezu blank vor unseren Augen, genauso gut – wenn auch nicht auf dieselbe Art und Weise! – wie etwa in dem utopischen, pseudowissenschaftlichen Traum, eines Tages die Gedanken und Absichten eines Mannes auf dem Operationstisch an den bewegten Reaktionen seiner Gehirnwindungen ablesen zu können.
     Die Wahrheit, die bewiesen wurde, ist zwar nicht Teil der Philosophie; aber sie gehört in ihre Präambel; sie ist für viele Menschen geradezu eine Voraussetzung für die nötige Disposition zur Philosophie. Sie muss also unbedingt gesagt werden.
     Und nun zur bewiesenen Sache, zunächst noch in übersteigertem Ausmaß und Umfang! Und danach zum Beweis!
     Schopenhauer schreibt in seiner Schrift „Ueber die Universitäts-Philosophie“ (Sämmtliche Werke. Brockhaus Wiesbaden 1966. Seite 171ff.) u.a.:
      Das Schlimmste bei dem ganzen Treiben, das sonst immerhin, für den kuriosen Liebhaber, seinen Fortgang haben möchte, ist jedoch Dieses: es liegt in ihrem Interesse – im Interesse der „gewöhnlichen Köpfe“ an der Universität, denen es nicht um die Sache geht – dass das Flache und Geistlose für etwas gelte. Das kann es aber nicht, wenn dem etwan auftretenden Aechten, Großen, Tiefgedachten sofort sein Recht widerfährt. Um daher dieses zu ersticken und das Schlechte ungehindert in Cours zu bringen, ballen sie – die besagten „Köpfe“ – nach Art aller Schwachen, sich zusammen, bilden Kliquen und Parteien, bemächtigen sich der Litteraturzeitungen, in welchen sie, wie auch in eigenen Büchern, mit tiefer Ehrfurcht und wichtiger Miene von ihren respectiven Meisterwerken reden und auf solche Art das kurzsichtige Publikum bei der Nase herumführen. ... ... Zur Erläuterung des Gesagten sehe man die messentlich erscheinenden Schreibereien der Kathederphilosophen, nebst den dazu aufspielenden Litteraturzeitungen: wer sich darauf versteht betrachte die Verschmitztheit, mit der diese letzteren, vorkommenden Falls, bemüht sind, das Bedeutende als unbedeutend zu vertuschen und die Kniffe, die sie gebrauchen, es der Aufmerksamkeit des Publikums zu entziehn, eingedenk des Spruches des Publius Syrus: Jacet omnis virtus, fama nisi late patet. Kein Verdienst kommt zur Geltung, wenn es nicht weithin bekannt wird. (a.a.O. Seite 171f.)
      Einige Seiten weiter (Seite 175f.) heißt es bei demselben Denker: Denn darüber täusche man sich nicht, dass zu allen Zeiten, auf dem ganzen Erdenrunde und in allen Verhältnissen, eine von der Natur selbst angezettelte Verschwörung aller mittelmäßigen, schlechten und dummen Köpfe gegen Geist und Verstand existirt. Gegen diese sind sie sämmtlich getreue und zahlreiche Bundesgenossen. Oder ist man etwan so treuherzig, zu glauben, dass sie vielmehr nur auf die Ueberlegenheit warten, um solche anzuerkennen, zu verehren und zu verkündigen, um danach sich selbst so recht zu nichts herabgesetzt zu sehn? – Freunde, ich stimme mit Schopenhauer in zweierlei Hinsicht nicht überein und werde beide Punkte noch ausführen. Es heißt bei ihm weiter: – ... Sondern: tantum quisque laudat, quantum se posse sperat imitari. Jeder erkennt soviel an, wie er selbst hofft, ebenfalls leisten zu können. „Stümper, und nichts als Stümper, soll es geben auf der Welt; damit wir auch etwas seien!“ Dies ist ihre eigentliche Losung, und die Befähigten nicht aufkommen zu lassen ein ihnen so natürlicher Instinkt, wie der der Katze ist, Mäuse zu fangen. Man erinnere sich auch hier der am Schlusse der vorhergegangenen Abhandlung beigebrachten schönen Stelle Ch a m f o r t´s. Sei doch einmal das öffentliche Geheimniß ausgesprochen ... : allezeit und überall, in allen Lagen und Verhältnissen, hasst Beschränktheit und Dummheit nichts auf der Welt so inniglich und ingrimmiglich, wie den Verstand, den Geist, das Talent. Dass sie hierin sich stets treu bleibt, zeigt sie in allen Sphären, Angelegenheiten und Beziehungen des Lebens, indem sie überall jene zu unterdrücken, ja auszurotten und zu vertilgen bemüht ist, um nur a l l e i n dazuseyn. Keine Güte, keine Milde kann sie mit der Ueberlegenheit der Geisteskraft aussöhnen. So ist es, steht nicht zu ändern, wird auch immer so bleiben. Und welche furchtbare Majorität hat sie dabei auf ihrer Seite! Dies ist das Haupthinderniß der Fortschritte der Menschheit in jeder Art.“ Soweit zunächst Schopenhauer.
      Und worin stimme ich mit ihm nicht überein? Erstens darin nicht, dass er behauptet oder zumindest das Missverständnis möglich macht, durch die „Anerkennung“, „Verehrung“ oder „Verkündigung“ überlegener geistiger Leistungen anderer werde man selbst „so recht zu nichts herabgesetzt“. Es liegt auf der Hand, dass es nicht so ist; denn in intellektueller Hinsicht steht man dann immerhin an zweiter Stelle, wobei zu bedenken ist, dass es sehr viele intellektuelle Ränge gibt. Man kommt zwar nicht von sich aus auf den neuen Gedanken, aber man versteht ihn, wenn ein anderer ihn ausspricht, wozu ebenfalls nicht jeder fähig ist, man kennt ja das entsprechende geflügelte Wort. Und in charakterlicher Hinsicht könnte man sehr leicht sogar zur allerhöchsten Stufe gehören. Freunde, es drängt sich der Eindruck auf, dass Schopenhauer, der Weise – der er sonst in vielerlei Hinsicht ist – hier in unangemessener Weise intellektualistisch denkt; was man am allerwenigsten soll, wenn es um den Wert von Menschen geht; und dass er obendrein in überspitzter Weise so denkt, indem er voraussetzt, man könne mit dem zweiten intellektuellen Rang nicht zufrieden sein – während man, ganz streng und ganz moralisch verstanden, sogar mit der allerletzten Intelligenz zufrieden sein kann, wenn nur der Charakter in Ordnung ist. Wir sind hier bei einer der Schwächen Schopenhauers,die sich z.B. auch dann zeigt, wenn er von den „gewöhnlichen Menschen“ als der „Fabrikware der Natur“ spricht, mit der er in diesen Fällen durchweg oder jedenfalls sehr oft alle Nicht-Genies meint. Aber sehen wir ihm die Schwäche nach! Er selbst hat unter ihr am meisten gelitten, da gerade seine intellektuellen Fähigkeiten zumindest lange Zeit noch weniger anerkannt wurden, als es bei vielen anderen Menschen seines intellektuellen Ranges der Fall war.
      Soviel zu diesem Punkt. Zu der zweiten, weiteren Nichtübereinstimmung zwischen ihm und mir: im Folgenden anlässlich der Auffassung Goethes.
     Schopenhauer sagt weiter: Ihr beständiges Dreinreden und Mitredenwollen- das der „schellenlauten Toren“, der absolut durchschnittlichen Menschen – gleicht dem der Tauben, die sich in die Konversation mischen, wirkt daher auf die zu allen Zeiten nur ganz vereinzelt Erscheinenden, welche von Natur den Beruf und daher den wirklichen Trieb haben, der Erforschung der höchsten Wahrheiten obzuliegen, nur als ein störendes und verwirrendes Geräusch; wenn es nicht gar, wie sehr oft der Fall ist, ihre Stimme absichtlich erstickt – und dieser Gesichtspunkt ist der Grund, weshalb ich die Stelle zitiere – weil was sie vorbringen nicht in den Kram jener Leute passt, denen es mit nichts, als mit Absichten und materiellen Zwecken Ernst seyn kann, und die, vermöge ihrer beträchtlichen Anzahl, bald ein Geschrei zu Wege bringen, bei dem Keiner mehr sein eigenes Wort vernimmt. (a.a.O. Seite 190)
      Soviel zunächst. Und? Haben wir es hier ausschließlich mit wohlbekanntem Schopenhauerischem Schimpfen zu tun? Oder hat der misanthropische Mann außerdem auch Recht? Oder zu einem beträchtlichen Teil Recht? Ich könnte mich für das Letztere ausschließlich auf den sehr direkten Beweis stützen, den ich ja alsbald bringen will; aber sehen wir für den Anfang, was es sonst noch geben könnte. So ist die Antwort auf unsere Frage: ein Blick auf die Geistesgeschichte! Angesichts ihres Verlaufs kann jeder entsprechend Gebildete sich selber sagen, dass Schopenhauer mit seiner unerfreulichen Beobachtung zumindest für den Bereich der Philosophie zu einem wesentlichen Teil, wenn auch nicht vollständig, Recht hat. Zumal der Gegenstand der Philosophie besonders schwierig ist und ihre Ergebnisse deshalb noch häufiger als andere Leistungen zu Neid oder zu intellektueller Besserwisserei Anlass geben, so dass sich die von Schopenhauer deutlich gemachte äußerst hässliche, schädliche und unmoralische menschliche Eigenschaft hier besonders stark auswirkt. Das als erste Antwort auf die Frage nach dem Beweis.
      Wir könnten auch sagen: Schopenhauer spricht, anlässlich der Feindschaft gegenüber geistigen Leistungen, mit Recht von einem „öffentlichen Geheimniß“ (siehe vorhin), von dem, was wir heute ein „offenes Geheimnis“ nennen. Jeder, der mit den philosophischen Fachkreisen an der Universität näher zu tun hatte, z.B. weil er promoviert hat oder weil er Kollege ist oder war, weiß, dass es so ist. Denn immer wieder raunt zwischendurch einer einem anderen zu: „Die besonders Intelligenten unter uns werden fertiggemacht“, oder ähnlich. Habt ihr schon einmal in Kierkegaards Schrift „Der Begriff Angst“ im IV. Kapitel unter der Rubrik „Angst vor dem Guten“ über die „unfreiwillige Offenbarung“ nachgelesen? Dann versteht ihr das jetzt Gesagte sofort. Oder der ehrliche und realistische Lehrer oder Kollege sagt, halb träumend, deshalb die Wahrheit, weil er zum besseren Teil der Philosophie-Dozenten gehört – an die Schopenhauer nicht denkt.
     Soviel zu dem, was jeder, oder jeder Eingeweihte irgendwann selbst feststellen kann. Außerdem aber gibt es literarische Zeugen; allerdings nenne ich nur wenige. Geistig selbstständige Menschen brauchen nicht für jede Beobachtung, die aus dem allgemeinen Menschenleben gegriffen ist, eine der so genannten „wissenschaftlichen“ Zusammenstellungen; sie ersetzen sie durch Erfahrung und Belesenheit in Verbindung mit Urteilskraft.
     Auf einen der Zeugen bringt uns Schopenhauer selbst mit seinem Zitat: „Jeder erkennt soviel an, wie er hofft, ebenfalls leisten zu können“ „Tantum quisque laudat, quantum se posse sperat imitari“. Vergleichen wir hiermit Ebner-Eschenbachs Aphorismus: „Wer es versteht, den Leuten mit Anmut und Behagen Dinge auseinanderzusetzen, die sie ohnehin wissen, der verschafft sich am geschwindesten den Ruf eines gescheiten Menschen.“ Denn eines müssen wir wissen: die hier bei Ebner-Eschenbach gemeinte Einschränkung der Anerkennung geht nicht darauf zurück, dass die lieben Mitmenschen etwa nicht wüssten, wo Überlegenheit spricht! und dass sie von sich selbst und ihrem Niveau ganz ehrlich und aufrichtig am meisten hielten. Dann würden wir sie unterschätzen – wie die Erfahrung lehrt. Insofern sind die Menschen ziemlich intelligent, und insofern ist auch für Neid, Missgunst und verlogenen Stolz sehr gut gesorgt, so dass wir erleichtert aufatmen können. Ergo! Welches Verhältnis haben die gerade beschriebenen lieben Mitmenschen zu dem, was Schopenhauer Überlegenheit nennt?
      Gut! „Aber diese eine Stimme ist noch nicht genug“? Es ist immerhin eine Anleitung, wie man Schopenhauer in der Weite des Raumes wiederfinden kann. Aber zitieren wir auch noch den Mann, der als unser größter Dichter gilt. Er schreibt unter „24. Zahme Xenien“:


          Das Schlechte kannst du immer loben;
Du hast dafür sogleich den Lohn:     
  In deinem Pfuhle schwimmst du oben
  Und bist der Pfuscher Schutzpatron.   

            Das Gute schelten? – Magst´s probieren!
  Es geht, wenn du dich frech erkühnst;
        Doch treten, wenn´s die Menschen spüren,
  Sie dich in Quark, wie du´s verdienst.


      Liegt hier die Identität mit Schopenhauer geradezu auf der Hand? Wohl doch nicht ganz und ausschließlich! Denn anders als Schopenhauer zieht Goethe ausdrücklich die Eventualität mit in Betracht, dass „die Menschen es spüren“ – und dass sie die Konsequenz ziehen, siehe den „Quark“, anders als bei Ebner-Eschenbach und Schopenhauer. Das mag auch daran liegen, dass Goethe sich nicht auf die Philosophie beschränkt, oder dass er überhaupt nicht an sie und an ihre besondere Schwierigkeit denkt, die das Problem verschärft – wir sprachen schon davon – . Aber in jedem Fall „spüren es die Menschen“ mit Konsequenz auch im Fall der Philosophie häufiger, als Schopenhauer sagt, gleichgültig, ob sie an der Universität arbeiten oder anderswo. Und auch insofern bin ich nun also mit Schopenhauer nur zum Teil einer Meinung und werde meine Auffassung im Folgenden begründen.
      Im Übrigen aber nennt auch Schopenhauer einen Zeugen. Er schreibt (a.a.O. auf Seite 207f.): Auch V o l t a i r e sagt ganz richtig: les gens de lettres, qui ont rendu le plus de services au petit nombre d´êtres pensants répandus dans le monde, sont les lettrés isolés, les vrais savants, renfermés dans leur cabinet, qui n´ont ni argumenté sur les bancs de l´université, ni dit les choses à moitié dans les académies : et ceux-là ont presque toujours été persécutés. „Die Schriftsteller, die der kleinen Zahl denkender Wesen, die auf der Welt zerstreut leben, die größten Dienste erwiesen haben, sind die für sich lebenden Gebildeten, die wahren Gelehrten, die auf ihr Arbeitszimmer beschränkt sind, die weder auf den Bänken der Universität argumentiert noch eine halbe Sache an den Akademien von sich gegeben haben: und gerade sie sind fast immer angegriffen worden“ (persécutés, sogar mit der Grundbedeutung „verfolgt“, und mit „angegriffen“ als abgeleiteter spezieller Bedeutung), wenn ihre Ergebnisse dann auch schließlich und in der Regel – mal ordentlich, mal herzlich schlecht – von akademischen Lehrern aufgegriffen und weitergegeben wurden.
      Zwischendurch gesagt, macht Herr Professor Immanuel Kant eine scheinbare Ausnahme von Voltaires Regel. „Wieso nur eine scheinbare?“ Aus folgenden Gründen: er hielt seine Philosophie, jedenfalls grundsätzlich, von der Universität fern, d.h. er sprach in seinen Vorlesungen nicht von ihr. Vor allem aber hielt er nicht viel von den Universitätslehrern; zu seinen Mahlzeiten, zu denen er regelmäßig einlud, bat er unter anderem Offiziere und Kaufleute, jeden, den er irgendwie für interessant hielt, nur nicht Professoren. „Dummheit, „Mangel an Urteilskraft“ hielt er für einen ihrer typischen, „gemeiniglichen“, „nicht ungewöhnlichen“ Mängel (siehe die „Kritik der reinen Vernunft“, A134/B173 erste Fußnote); Kant war also in viel höherem Maße ein weiterer Zeuge, eine Bestätigung Voltaires und Schopenhauers als eine Ausnahme von deren Regel. Biographen lassen durchblicken, dass er wegen der Bemerkungen über seine Kollegen als junger Mann nur langsam weiterkam; er blieb nur, weil er sonst keine Einkünfte hatte, sondern völlig mittellos war. Und Schopenhauer fügt hinzu, Kant sei ein Phänomen Friedrichs des Großen gewesen: „Kaum war der König tot“, also unter Friedrich Wilhelm II., musste Kant versprechen, nicht mehr zu schreiben, oder ähnlich.
      Soviel, jetzt im Ganzen, zu der Sache, der besagten Behauptung. Und nun zum direkten, urkundlichen Beweis:

URKUNDE I                      URKUNDE II

Lesen wir beide Schreiben genau durch, vor allem jeweils den mittleren Absatz!
      Wir haben hier nicht den üblichen Rezensierbetrieb, das übliche wertlose Theater und die Täuschungsmanöver, so wie Schopenhauer es (vorhin) beschreibt: die Rezensionen in den „Litteraturzeitungen, in welchen“ die „Kathederphilosophen“ „ wie auch in eigenen Büchern, mit tiefer Ehrfurcht und wichtiger Miene von ihren respectiven Meisterwerken reden – mit anderen Worten: in denen sie sich gegenseitig hochloben – und auf solche Art das kurzsichtige Publikum bei der Nase herumführen“ usw. usf. Sondern wir haben hier denn doch eine Quelle der Wahrheit: interne Einzelgespräche, vermutlich weitgehend unter vier Augen, zwischen dem Verlagslektor und Lesern an der Universität, demnach nur mit mündlichen, andererseits aber sehr wirksamen Äußerungen; und zugleich anonym bleibend sowie mit gegenseitiger Diskretion aus Klugheitsgründen; also unter Umständen, bei denen man normalerweise ehrlich ist. Zumal ja jeder Mensch das Bedürfnis hat, von Zeit zu Zeit die Wahrheit zu sagen, unter anderem als „unfreiwillige Offenbarung“, und die Dozenten, wie gesagt, auch etwas Bestimmtes erreichen wollen!
      Und was heißt „Von wirklichen, engagierten Lesern ... ... erhielt ich im Laufe der Zeit folgende Voten“ ? Die „Voten“ sind alle gleich! Es bedeutet, dass wir hier von einem beträchtlichen Teil der Universitätsphilosophie – vielleicht überwiegt er, vielleicht auch nicht – ein wahres Gesamtbild erhalten.
      Und was ist dessen Kern, dessen Hauptinhalt, abgesehen von den Bewertungen: „hervorragend“ für die Übersetzungen und „`über´-gut“ für die Kommentare? Bewertungen, die man aber, wohlweislich, nicht durch Rezensionen, Zitate usw., ruchbar werden lässt, siehe auch dafür Schopenhauer (im Vorhergehenden) über die Art, wie das Verdienst zur Geltung kommt und wie es das eben nicht tut! Was also kommt zu den beiden Bewertungen allein hinzu? Es wird „hier“ für meine Kommentare, „eine Beschränkung schon deshalb angeraten, weil“ sonst „selbst dem kundigen Kierkegaard-Leser zu häufig vor Augen geführt“ wird, „was ihm alles bisher entgangen“ ist! Das heißt: der Kern, der Hauptinhalt des Gesamtbildes, das die Urkunden von diesem beträchtlichen Teil der Universitätswelt liefern, ist ein Kotau vor der eigenen Subjektivität. Unter anderem dafür also werden diese Leute vom Steuerzahler ausgehalten: nicht nur, damit sie in den Vorlesungen und Seminaren schwafeln, ohne mit irgendetwas zu Rande zu kommen – statt die Gedanken der großen Philosophen wiederzugeben – ; sondern sie lassen sich auch zu dem Zweck bezahlen, dass sie von ihrem eigenen Können, von ihrem eigenen intellektuellen Wert, vor sich selber! und auf Kosten anderer, denen geistiger Gewinn vorenthalten werden soll, eine bestimmte subjektive, nicht zutreffende Vorstellung zu ihrer eigenen, persönlichsten Befriedigung aufrechterhalten können. „Schon deshalb“ sei eine „Beschränkung“ „angeraten“! Also auch noch aus anderen Gründen! Die selbstverständlich genauso unanständig sind! Wenn nicht, sollte man die anderen Gründe nennen.
     Was bedeutet die „Beschränkung“, die mit so billiger Vornehmheit als „angeraten“ bezeichnet wird? – „Vornehmtuerei, das gehört“ nämlich „auch dazu“ (Schopenhauer). – Die „Beschränkung“ bedeutet, dass bestimmte und echte geistige, philosophische Werte „erstickt“ werden; dass sie „der Aufmerksamkeit des Publikums entzogen“ werden; dass man sie „vertilgt“, „ausrottet“, „unterdrückt“, „nicht aufkommen lässt“ – genauso, wie Schopenhauer es (vorhin) mit eben dieser Wortwahl feststellt. Daraus ergibt sich dann ja, folgerichtigerweise, auch die von ihm behauptete „Verschwörung aller mittelmäßigen, schlechten und dummen Köpfe gegen Geist und Verstand“, und es lässt sich von hierher ebenso auf den extremen „Hass“ schließen, den „Beschränktheit und Dummheit“ gegen „Verstand, Geist und Talent“ hegen.
     „Verstand, Geist und Talent“, und so weiter und so fort mit den schmeichelhaften Ausdrücken? Spreche ich mir das alles etwa selber zu? Durchaus nicht; man versuche nicht, mich gouvernantenhaft und ohne Logik mit dem Vorwurf ungehörigen Eigenlobes zu schikanieren! Ich begnüge mich mit „hervorragend“ und „`über´-gut“, denn das haben die Dozenten, die „wirklichen, engagierten Leser“ selbst gesagt! Und es wäre ja wohl noch schöner, wenn ich wegen eines Gouvernanten-Ritus – und wegen Schopenhauers Wortwahl und seiner unerlässlichen geistesgeschichtlichen Feststellungen – das jetzt vorliegende ungeheuerliche Selbstzeugnis eines Teiles der Universitäts-Philosophie verschweigen müsste; das hätte gerade noch gefehlt! Wir haben in unserer Zeit, mehr als in jeder anderen uns bekannten geschichtlichen Epoche, in allen möglichen Dingen Tabus in einem Übermaß, das nicht etwa zum Erbrechen ist – die Betreffenden mögen sich nichts einbilden! – sondern, das außer radikaler Beseitigung nichts als die allertiefste Verachtung verdient. Zumal man dabei zugleich ewig, und unendlich geistlos und langweilig, von „Dialog“ und „Tabulosigkeit“ quatscht.
      Und „extrem“ habe ich den von Schopenhauer erwähnten „Hass“ genannt? Nun, es ist denn ja auch immerhin eine Sache, die man nicht für möglich halten sollte, wenn man sie nicht in den beiden gescannten Urkunden vor Augen hätte; nämlich was? Das, was ein großer Teil der „heimlichen“ wissenschaftlichen „Öffentlichkeit“ – es ist ja ein „offenes“ „Geheimnis“ – dem Verlagslektor zugeraunt hat: Wir ertragen es nicht, dass wir von einem anderen etwas lernen müssen; es geht um das Bild von unserem über alles geschätzten Ego, und nicht um die Sache! Oder darf ich keine psychologischen Schlüsse ziehen, aus einem psychologischen Sachverhalt, der auch für sich schon erbärmlich genug ist? Wie gesagt, vergessen wir nicht, dass es sich um ein wahres, nunmehr unmittelbar abzulesendes, unmittelbar bewiesenes Bild von einem großen Teil der philosophischen Dozenten handelt.
     Schopenhauer kommt auf Grund seiner Beobachtungen zu der Konklusion (a.a.O. Seite 207): Es ist gar nicht nöthig, dass auf jeder Universität ein Paar schaale Schwätzer gehalten werden, um den jungen Leuten alle Philosophie auf Zeit Lebens zu verleiden (a.a.O. Seite 207) – das gilt auf jeden Fall für die Leute mit dem vom Staat bezahlten äußerst dominanten Ego, mit der äußerst verächtlichen Subjektivität! – Außerdem sind sie ja auch wahrhaftig keine großen Herren, auf Grund persönlicher wirtschaftlich-schöpferischer Fähigkeiten; sie leben vielmehr auf Kosten des Steuerzahlers, kraft Cliquenwesens in Verbindung mit politischer und soziologischer Korrektheit, letzten Endes im Dienst der unmoralischen, geist- und kulturfeindlichen Propaganda-Bedürfnisse der Hochfinanz; und man kann sich nicht vorstellen, dass sich mit besagter Subjektivität das Streben nach einer Erkenntnis verträgt, die über Schulkram und gelehrten Wildwuchs, über angelernte oder völlig alltägliche Weisheiten hinausgeht.
      Wer das bewusst mitmachen will, als junger Student, oder als Rentner, der Erstere in der Hoffnung auf materielle Vorteile, vielleicht weil er für ein ordentliches Studium nicht geeignet ist, und der Letztere in der völlig falschen Hoffnung auf geistigen Gewinn, oder auch nur, um bei der nächsten Geselligkeit mitreden zu können, der soll um Himmels willen alles das tun, das heißt, er soll es ja mitmachen; weil er es nicht besser verdient hat! – Bei Gelegenheit der nächsten Sonntagsrede hört er sich dann von einer bestimmten Sektion von „Katheder-Philosophen“ auch noch die Phrase an: „Wir brauchen wieder Werte.“ Ich kannte einmal jemanden, der zu sagen pflegte: „Ein geschickter Handwerker imponiert mir mehr als ein mittelmäßiger Akademiker.“ Was hätte er erst von solchen Typen gesagt!
      Und die Philosophie selbst? Sie kommt in Misskredit. Schopenhauer schreibt dazu zum Beispiel (a.a.O. Seite 207): Wenn nun aber gar eine solche Kathederphilosophie noch durch unverständliche, gehirnbetäubende Phrasen, neugeschaffene Worte und unerhörte Einfälle, deren Absurdes spekulativ und transzendental genannt wird – heute nennt man es etwas anders, verfolgt aber denselben Zweck: – die Stelle wirklicher Gedanken ersetzen will; so wird sie zu einer Parodie der Philosophie, die diese in Misskredit bringt; welches in unsern Tagen der Fall gewesen ist.
      Oder er schreibt (a.a.O. Seite 194): Da nun das Publikum so kindisch ist, stets nach dem Neuesten zu greifen, ihre Schriften – nämlich die der „Universitätsphilosophen“ – aber doch den Titel Philosophie führen; so ist die Folge, dass, durch die Abgeschmacktheit, oder Verkehrtheit, oder Unsinnigkeit, oder wenigstens marternde Langweiligkeit derselben, gute Köpfe, welche Neigung zur Philosophie spüren, von ihr wieder zurückgeschreckt werden, wodurch sie selbst allmälig in Misskredit geräth, wie dies bereits der Fall ist.
      Und ich möchte wissen, was ein Angelsachse sich denkt, wenn er von „our political philosophy“, „our economic philosophy“ usw. spricht. Hat er dabei, bewusst oder unbewusst, folgerichtig gedacht? Hat er der eigentlichen Philosophie ihren Gegenstand genommen, weil von ihr ja ohnehin nichts zu halten sei? In jedem Fall weiß ich, was der Deutsche sich denkt, wenn er während eines Gespräches, das ernsthaft oder hochgestochen, in beiden Fällen aber wesentlich unverständlich ist, seinem Nachbarn etwa zuraunt: „Das ist Philosophie.“ Er meint selbstverständlich, das ist höherer Blödsinn, oder schlicht und einfach, Blödsinn.
      Die Philosophie ist in Misskredit geraten. Aber „das ist egal“? Ich will euch etwas sagen: der eigentliche Gegenstand der Philosophie sind „Gott, Freiheit und Unsterblichkeit“ (siehe Kant); und diese Drei sind nicht nur die Grundlage des Glaubens und seines höchsten Ausdrucks, des Christentums, sondern sie sind die Voraussetzung jeder Idealität überhaupt; nämlich: unseres Strebens nach Vollkommenheit, bei dem wir ein höchstes, begeisterndes Wesen vor Augen haben müssen; unseres festen Gründens in moralischen Grundsätzen, die ohne Willensfreiheit nicht möglich sind; und unserer menschlichen Würde, unserer angemessenen Selbsteinschätzung, die nicht möglich wäre, wenn mit dem Tod „alles aus“ wäre – nach der Wortwahl, die einem Dozenten einmal beliebte. Ohne Idealität aber herrscht Verzweiflung; mit der man zwar leben, mit der man aber nur eine reduzierte Existenz fristen kann.
      Aber es sei, wie es wolle: die eigentliche Philosophie befasst sich in jedem Fall mit den höchsten Aspekten unseres Wesens, unserer Existenz. Ebenso sicher ist (siehe Urkunde I) dass viele Dozenten bestimmte philosophische Schriften deshalb nicht mögen und deshalb unterdrücken wollen, weil sie aus diesen Schriften von einem anderen etwas lernen, was sie bis dahin nicht gewusst haben. Und die Konsequenz: bei einer solchen absolut unsachlichen und absolut kleinlichen Einstellung muss ein großer Teil der Universitätsphilosophie in wertlosem Geschwafel bestehen. Ihre Vertreter gestehen es selbst ein; einer von ihnen schrieb vor Jahrzehnten, ich las es zufällig und nebenbei: 99 Prozent der Fragen, die wir behandeln, sind nicht wert, dass man sie aufwirft. Was auf ihn und seinesgleichen sicher zutrifft. Und die Eingeweihten frage ich: habt ihr noch nie erlebt, wie verächtlich viele Dozenten von ihren eigenen Schriften reden, wenn sie unter vier Augen sind? – Man beachte gerade hierfür z.B. auch die besondere Unsinnigkeit des letzten Satzes im zweiten Absatz der zweiten Urkunde; wonach meine „Kommentare mehr bieten, als ein Leser aufnehmen kann“. Wenn ich es „biete“, kann man es ja wohl auch „nehmen“; verstehen die Leute kein Deutsch? Kennen sie nicht den Inhalt der Begriffe? Oder meinen sie etwas anderes, was sie nicht sagen wollen, nämlich, dass sie keine Philosophie wollen, sondern in dem Fach etwas anderes suchen?
      Frage: an wen ich, nach allem, meine philosophischen Anstrengungen richte.
      Aber ich deutete ja schon an, dass ich u.a. insofern mit Schopenhauer nur zum Teil übereinstimme, als ich einen beträchtlichen Anteil von Leuten an der Universität bemerkt zu haben glaube, die nicht so kleinlich und erbärmlich eingestellt sind, dass sie gar nicht oder nur in sehr begrenztem Umfang von anderen lernen wollen – wenngleich, um darauf zu kommen, der grundschlechte Charakterzug, besondere Verdienste, z.B. auch künstlerische Leistungen, nicht anerkennen zu wollen, bis zum persönlichen Untergang der davon Betroffenen, leider allgemein menschlich und wahrhaftig nicht auf die Universitäten beschränkt ist.
      Das Erstere, dass es dort auch bessere Leute gibt, beweist schon der jahrelange gute Verkauf meiner Kierkegaard-Ausgaben, auch ihre nicht seltene ausdrückliche Bevorzugung im jetzigen, nachträglichen antiquarischen Verkauf. Der Verlag war lange Zeit geradezu begeistert, bis die Wühlarbeit gegen meine Ausgaben bei ihm schließlich zum Ziel gekommen sein muss. Niederträchtige Absichten werden nicht leicht aufgegeben. Es kam, mir gegenüber von Seiten des Verlages, zu Versuchen der „Beschränkung“, wir lernten ja vorhin diesen vornehmen, moralisch hochstehenden Terminus kennen: Wer sollte denn etwas gegen „Beschränkung“ haben. Ich, zum Beispiel! Nämlich immer dann, wenn die „Beschränkung“ nicht sachlich begründet ist. Außerdem hätte diese so genannte Beschränkung im Lauf der Zeit dazu geführt, dass die Physiognomie von Kierkegaards Philosophie und von meiner Klärung und Weiterentwicklung völlig verfälscht worden wäre, obendrein durch mich selbst, durch meine eigene, zusätzliche Arbeit; was wohl auch ganz genau so beabsichtigt und geplant war. Daher meine Kündigung gegenüber dem Verlag nach § 17 des Verlagsgesetzes. Und jetzt meine Frage an die Jünger und Apostel der edlen „Beschränkung“: Haben Sie schon einmal etwas von dem Gesichtspunkt der Sachlichkeit gehört, und davon, dass er selbstverständlich allbeherrschend sein muss? Man sehe gerade hierzu die Entschlossenheit des Verlagslektors, Herrn Horst D. Brandts, in den beiden Urkunden! – Übrigens hatte es bei Beginn der Veröffentlichung der ersten Kierkegaard-Ausgabe Dozenten gegeben, die parallel zur hochvornehmen „Beschränkung“ ebenso hochkaufmännisch-realistisch von „Unverkäuflichkeit“ sprachen und sich mit dem Terminus wichtig taten; aber damit war es bald vorbei, wie gesagt, ich habe noch begeisterte Briefe des Verlages. Es gibt also auch andere Dozenten. Nur glaube ich, dass sie diejenigen sind, die sich weniger durchsetzen; wozu dem einen oder anderen alsbald (unmittelbar vor dem Schluss-Satz) ein Licht aufgehen könnte, wenn er nicht überhaupt schon jetzt Bescheid wissen sollte.
      Und ich zitiere nun, zugleich mit Blick auf den besseren Teil der Hochschulen, noch einmal Schopenhauer (a.a.O. Seite 179f.): Was Wunder, dass die jungen Leute, – ohne eigenes Urtheil, und ohne jenes, oft so heilsame Misstrauen gegen die Lehrer, welches nur der exceptionelle, d.h. mit Urtheilskraft und folglich auch mit dem Gefühl derselben, ausgestattete Kopf schon auf die Universität mitbringt, eben glaubten, was sie vernahmen, und folglich vermeinten ... ... sich mit Kant nicht mehr auseinandersetzen zu müssen, usw. Und ich denke, durchaus beobachtet zu haben, dass junge Leute mit Urteilskraft an der Universität nicht so selten sind, dass man es für wahrscheinlich halten kann, sie seien dort im Wesentlichen ohne Einfluss.
     Zum Beispiel: Herr Professor Müller, Theologe, in Münster, hat meine Ausgabe über „Die Krankheit zum Tode“ auf eine Liste unentbehrlicher Schriften für Studenten gesetzt. Als ich das letzte Mal im Internet nachsah, stand sie noch da. Gewisse besonders minderwertige Absprachegemeinschaften können ja von nun an darauf achten, dass sie das nächste Mal dort nicht mehr zu finden ist.
      Und wie war es mit dem E-Mail, das meine Tochter, nach meiner Datei über die „Fortexistenz nach dem Tod“, in meinem Netzseiten-Postfach vorfand: „Brandt consolidated. Be the King.” “Brandt bestätigt, gefestigt. Sei der König“? Der Mann wusste vom Lektor! Auch er also hatte seine „Urtheilskraft und folglich auch das Gefühl derselben“ eines Tages wahrscheinlich „schon auf die Universität mitgebracht“ (Schopenhauer, siehe vorhin).
      Die nach außen hin freiheitsliebenden USA, die bei jeder Gelegenheit eine tief verwurzelte demokratische Gesinnung vortäuschen und in Wirklichkeit eine Weltdiktatur wollen, filtern übrigens solche E-Briefe aus; ich soll nach Möglichkeit keine Reaktion erleben, man hofft, dass ich seelisch daran zugrunde gehe, aber ich weiß ja, was menschlicher Dreck ist! Und deshalb auch hatte der Absender darauf geachtet, dass „Brandt consolidated“ nur durch Sichtbarmachung der gesamten Betreffleiste (mit Hilfe der Maus), dann aber auch in schönen und deutlichen schwarzen Lettern, lesbar wurde. – Übrigens möchte ich hiermit, anlässlich dieses Punktes, mein tiefes Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, dass ausweislich einer Nachricht im Postfach dieser Netzseite elf E-Mails, die an mich gegangen waren, aus technischen Gründen ungelesen geblieben sind; meine Tochter wird Abhilfe zu schaffen versuchen. Und noch einmal, diesseits der Trennungslinie: wir alle wissen ja, was menschlicher Dreck ist.
      Doch zurück zur Universität:
Auch Herr Brandt, der sich für meine Kierkegaard-Ausgaben eingesetzt hat, solange er es konnte, kam ja dorther.
      Und vor Jahrzehnten zum Beispiel: setzte sich ein Herr Dr. Hufnagel, als ich in einem Doktorandenseminar von dessen Leiter immer wieder höchst tendenziös benachteiligt wurde, jedes Mal ganz eindeutig für meine Gesprächsbeiträge ein. Und er war für die Universitätslaufbahn vorgesehen.
      Ich habe noch mehr erlebt, auch im Ausland, und betrachte alle diese Fälle durchaus nicht als bloße Ausnahmen, sondern als symptomatisch; was nicht mehr als Recht ist.
      Etwas anders war es mit einer großen starken Reklamefirma, die eines Tages für meine philosophische Netzseite kostenlos und von sich aus eine geradezu gigantische Reklameaktion startete, verdienstvollerweise, dankenswerterweise, aber auch das besagt ja nichts gegen die Universität. Gewisse besonders minderwertige Absprachegemeinschaften werden nun allerdings streng darauf achten, dass so was nicht wieder vorkommt.
      Und – um noch einmal auf die Universität zurückzukommen, die Gerechtigkeit zwingt mich dazu – so waren alle vier Noten bei meiner Promotion (über Platons Dialog Parmenides) die höchsten, die es gibt. Allerdings, danach begann eine jahrelange Kette von Niederträchtigkeiten. Aber wen wundert das, nach Schopenhauer!
      Fazit jedenfalls und trotz allem: auch die Universität ist nicht von allem Geistigen und von allen guten Geistern verlassen.
      Und, Freunde, ich muss noch eine Sache bekennen, durch die ich zu diesem Ergebnis komme: die internen Kreise der USA, die atheistischen Innenkammern der US-Hochfinanz, sind absolut gegen das, was ich sage. Ich weiß, ich weiß: „Da überschätzen Sie Ihre Bedeutung“ oder ähnlich. Aber ich wüsste nicht, was mir gleichgültiger wäre als die dummen Sprüche gerade unserer Zeit! Kurz gesagt: Mein Theismus, mein Gottesgedanke, ist den augenblicklichen Fürsten dieser Welt verhasst. Sie wollen die Schöpfung durch Wirkursache – „Kreationismus“ und „Intelligent Design“ – als Gottesgedanken, der die erdrückendsten Schwierigkeiten schon in sich trägt (beginnend spätestens mit Paulus´ Römerbrief: „Warum hast du mich so gemacht?“); und sie wollen diese göttliche Physik als Kitschglauben für das „dumme Volk“, so wie sie das Volk sehen, sie wollen die besagte Schöpfung natürlich nicht für sich selbst. Wer meinen theistischen Gedanken kennt, weiß, dass er das äußerste Gegenteil zu all dem ist. Außerdem besuchte mich einmal jemand, ein Verlagslektor, und sprach von der Stringenz meines Gedankens. Gerade das aber, die Stringenz schon für sich betrachtet, hassen die vermeintlichen Götter an der US-Ostküste: Man darf den Gottesgedanken vertreten wie ein Pfaffe, der im Fernsehen mit grundsolidem und erzkonservativem Römerkragen und mit der „Freiheit des Glaubens“ auftritt, „weil man Gott nicht beweisen kann“; darin sollen praktischerweise die Freiheit und der Glaube bestehen. Man darf den Gottesgedanken auch so vertreten, wie Herr Ratzinger es tut, das heißt: ohne ein Bein an den Grund zu bekommen. Aber wehe, man vertritt ihn so, dass jemand allen Ernstes in Versuchung kommen könnte, ihn doch tatsächlich zu akzeptieren! So ist das nicht gedacht! Ihr wisst schon, Freunde, ich habe das alles oder das meiste davon z.B. in „Kreationismus und Intelligent Design“ oder z.B. in „Fortsetzung und Abschluss zum Begriff der Hochfinanz“ (beides hier auf der Netzseite) deutlich zu machen gesucht. Auf seine Weise bringt es auch Herr Lévi-Strauss zum Ausdruck, nämlich unrichtig und von oben herab, oberflächlich und ohne Namensnennung, eben hasserfüllt, gemäß den Worten: „ ... sans parler du retour en force du „sujet“ au cours des années 1980, phénomène proprement obscurantiste à ses yeux ... “ „ ... ohne von der Rückkehr zum Gedanken des `Subjektes´ im Lauf der achtziger Jahre zu sprechen, einem Phänomen, das in seinen Augen“, nämlich in denen von Lévi-Strauss, „recht eigentlich obskurantistisch war“ (Le nouvel Observateur. 1. bis 7. Mai 2008. Seite 12). Der Mann konnte den Mund nicht halten, obwohl das meinen Schriften gegenüber als Parole ausgegeben worden war: ich erinnere zu diesem Nichtkönnen noch einmal an Kierkegaards Gedanken von der „unfreiwilligen Offenbarung“ (im IV. Kapitel von „Der Begriff Angst“); und, meine Feinde: ich habe meine Bedeutung also nicht überschätzt. Natürlich interpretiere ich die primitive Bemerkung über den „Obskurantismus“ nicht groß; wer einen der beiden gerade genannten Artikel (hier auf der Netzseite) liest – was man ohnehin muss, wenn man in die Sache hereinkommen will – ist sowieso im Bilde. Und ihr könnt euch jetzt an fünf Fingern abzählen: wäre nicht dieser Gegensatz zwischen mir und den augenblicklichen US-Göttern, dann hätte sich die Universität teilweise vielleicht besser verhalten; ich sage, teilweise und, vielleicht.
      Aber das Lange und das Breite, das Entscheidende und das Festzuhaltende ist: Die zahlreichen Leute unter den Dozenten, die Schriften „einschränken“ wollen, damit ihnen nicht „zu häufig vor Augen geführt werde, was“ ihnen „alles bisher entgangen sei“, beweisen den Unwert einer gewissen so genannten Philosophie sowie die Notwendigkeit, die Universität, einem der höchsten Güter der Menschheit zuliebe, durch unabhängige Kreise zu ergänzen.


Hans Rochol        
im März 2009.      




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