KIERKEGAARD-ÜBERSETZUNGEN MIT AUSFÜHRLICHEN
KOMMENTAREN UND EINLEITUNGEN.




(1) Bis zum Jahr 2005 waren im Buchhandel zu erhalten:

     Der Begriff Angst / Sören Kierkegaard. Übers., mit Einleitung u. Kommentar hrsg. von Hans Rochol. – Hamburg: Meiner, 1984. Philosophische Bibliothek; Bd. 340, ISBN 3-7873-0535-1

    Philosophische Bissen / Sören Kierkegaard. Übers., mit Einleitung und Kommentar hrsg. von Hans Rochol. – Hamburg: Meiner, 1989. Philosophische Bibliothek; Bd. 417, ISBN 3-7873-0793-1

    Die Krankheit zum Tode / Sören Kierkegaard. Übers., mit Einleitung und Kommentar hrsg. von Hans Rochol. – Hamburg: Meiner, 1995. Philosophische Bibliothek; Bd. 470, ISBN 3-7873-1160-2

     Die Wiederholung / Sören Kierkegaard. Übers., mit Einleitung und Kommentar hrsg. von Hans Rochol. – Hamburg: Meiner, 2000. Philosophische Bibliothek; Bd. 515, ISBN 3-7873-1375-3.

Wie gesagt, es ging gut bis zum Jahr 2005.

(2) Aber wer die Welt und wenigstens zum Teil auch meine Kierkegaard-Ausgaben kennt und wer dann auch noch an unsere Zeit den richtigen Maßstab anlegt, statt sich mildernde Illusionen zu machen – mehr als Milderungen sind ja ohnehin schon nicht mehr denkbar – der wird verstehen, dass die Ausgaben von vornherein unter einem Unstern standen; wir werden sehen, in welchem Sinne; ich mache es jetzt klar. Der Staatsbürger, der den Staat mit seinen Steuern füttert, hat auch einen Anspruch auf Einblick in diese Dinge.

(3) Der Lektor des Verlages schrieb mir am 17.10.1990:

 

(4) Glaubt jetzt vielleicht jemand, das Verlangen nach „Beschränkung“, weil aufgeblasene Universitätsleute und ähnliche Typen sonst „zu häufig“ feststellen müssen, wozu sie unfähig sind, intellektuell unfähig, geistig unfähig, glaubt also jemand, dieses Verlangen nach „Beschränkung“ wäre Selbstironie? Allerdings, die Selbstentlarvung, die in einem ernst gemeinten, nicht nur selbstironischen Verlangen nach einer „Beschränkung“ dieser Art liegt, ist so skandalös, so unglaublich, dass man sie nicht für möglich halten sollte; aber die Reaktion des Lektors noch hier in demselben Brief beweist, dass sie eine Realität ist. In jedem Fall aber macht das darauf folgende Schreiben des Lektors vom 24.10.1990 die Sache endgültig klar; es heißt hier:




(5) Also, es ist ganz klar: das Verlangen nach „Beschränkung“ meiner Schriften, damit nicht „selbst dem kundigen Kierkegaard-Leser zu häufig vor Augen geführt werde, was ihm alles bisher entgangen sei“, dieses Verlangen ist eine Realität; und zwar, machen wir uns auch das klar: sie ist eine ausgedehnte, herrschende, wenn auch hoffentlich nicht die herrschende Realität – wir werden noch differenzieren müssen – jedenfalls aber schreibt der Lektor, damit man den Sachverhalt auch tatsächlich versteht: „Von wirklichen, engagierten Lesern ... ... erhielt ich im Laufe der Zeit“ – also durchweg – „folgende Voten“, nämlich mit dem besagten Verlangen nach „Beschränkung“ für mich, den Autor der Kommentare, damit die, die den Anspruch erheben, die eigentlichen Lehrer des Faches zu sein, nicht lernen müssen, dass sie von der Sache nicht so viel verstehen, wie sie bisher gemeint haben – gelinde gesagt. Und von anderen Voten war nicht die Rede.

(6) Und nun weiter: Die dänische Zeitung „weekendavisen“ schreibt am 2. März 2007 auf Seite 2 unter anderem:

Man kann die Glaubwürdigkeit eines Forschers stärken, indem man ihm wirtschaftliche Förderung zuteil werden lässt, so dass er sich bessere Forschungseinrichtungen anschaffen kann, man kann ihm bestimmte Stellen geben oder besondere Gelegenheit, seine Theorien zu veröffentlichen. Umgekehrt kann man die Glaubwürdigkeit eines Forschers schwächen, indem man das Gegenteil tut: man schließt ihn vom Stellenangebot, von Publikationen und anderen vertrauenschaffenden Einrichtungen aus.

Soweit schleicht sich die Wahrheit inzwischen also denn doch in die Medienwelt ein, ganz nebenher gesagt. Vor allem aber, lieber Zeitgenosse: der zuerst genannte Typ ist der, der die „Beschränkung“ des an zweiter Stelle Genannten verlangt, damit es nicht deutlich wird, dass er zu Unrecht mit Stellen und Geld bevorzugt wird; so ist die Rollenverteilung zwischen den beiden „Wissenschaftlern“; und der perfide Kopf lässt sich bei alledem nichts anmerken, sondern verhält sich so, als ob die Welt in Ordnung wäre, genau so, wie es auch der beschränktere Zeitgenosse tut. Vielleicht ist das überhaupt der klassische Fall der Sünde gegen den Heiligen Geist, wider besseres Wissen so zu tun, als ob die Welt in Ordnung wäre. Oder ist hier einer von den Neunmalklugen, die religiöse Kategorien in jeder Hinsicht für überholt ansehen? Na, meinetwegen; ich kann es ja doch nicht ändern, wenn jemand unbedingt geistig verarmen will. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich; und seine Hölle. – Aber woher kennen wir die gerade wiedergegebene Rollenverteilung? Wir kennen sie aus der Beobachtung der Wirklichkeit, mehr kann man dazu nicht sagen.

(7) Es bleibt nur noch die Frage übrig, wie es zu dieser Rollenverteilung kommt, also die berühmte Frage nach der Ursache – ohne dass ich damit sagen will: Die Sache wäre nicht real, wenn keine Ursache zu finden wäre; denn auch diese Reaktion kommt ja vor; die Sache wäre nur dann nicht real, wenn keine Ursache vorhanden wäre. Also: persönlicher Neid, persönliche Kleinheit und Aufgeblasenheit führen zwar zum Verlangen nach Beschränkung dessen, der einem „zu häufig vor Augen führt“, „was alles“ einem „bisher entgangen“ ist; aber das liegt sämtlich im Bereich des bloßen Gutbürgerlichen, das für eine Rollenverteilung des jetzt vorliegenden Kalibers zu unbedeutend ist: Der Durchschnittskopf wird nicht in der Hauptsache durch seinesgleichen, wenn auch in Verbindung mit den Steuergeldern des Staates, gefördert – oder vielleicht wird er es sogar in der Hauptsache; aber dann nur, was die Summen als solche betrifft. Für die bei der Förderung notwendige Ausübung von Macht und Einfluss dagegen reichen gutbürgerliche Kräfte nicht aus. Hier ist das Feld der Hochfinanz; sie ist es, die neben zahllosen anderen Bereichen den der Medien, der Literatur und der Universitäten u.a. mit Stellenvergaben und Publikationen lenkt und steuert; und sich dabei, sehr oft auf dem Weg über private Verbindungen, gutbürgerlicher Kräfte bedient; was übrigens nicht möglich wäre, wenn diese Kräfte wirklich von der Wurzel her gut wären. Und die Motive der Hochfinanz? Erstens ganz allgemein und zweitens mit Anwendung auf meinen Fall?

(8) Die innersten Kreise der Hochfinanz denken atheistisch; woher wissen wir das? Der Zeitgeist, mit anderen Worten: z.B. die von der Hochfinanz gesteuerten Medien sind atheistisch, mit taktischen Einschränkungen, vorgetäuschten Kontroversen und retardierenden Momenten. Oder stellt ihr euch den Zeitgeist etwa Hegelisch oder hegelianisch vor, als „Weltgeist“ und so denn als „Gott“ – welch eine „intelligente“, herrlich intellektuelle, ja geradezu säkularisierende Gleichung! Und für die große Masse? Sieht die Hochfinanz zwar Religion vor, weil sie die große Masse für hoffnungslos schwach und irrational hält – obwohl sie selbst, im Endergebnis, alles in allem, kein bisschen klüger ist – aber es darf sich dem entsprechend denn auch nur um Kitsch-Religion handeln. Nietzsche sagt: „Alle Religionen sind Pöbelaffären“. So wurde von beauftragten Theologen und bibelfesten Laien zunächst der US-Kreationismus in die Welt gesetzt, ganz nach der Bibel; wir wissen, es gibt keine US-Originalität; das heißt: Gott soll die Menschen und die übrige Welt genauso geschaffen haben – sechs Tage, Erdenkloß usw. – wie es im ersten Buch Moses dargestellt wird; denn gerade bei dem Mosaischen Schöpfungsbericht kann man sich in einem ganz diesseitigen, und zugleich paradiesischen Sinne besonders fromm vorkommen – ein gewisser, unmöglicher Traum des Mittelalters scheint hier Wirklichkeit zu werden – während gerade dieser Stoff, ich meine Moses´ Schöpfungsbericht, mit Frömmigkeit in Wahrheit nichts zu tun hat. Glücklicherweise hat er mit Wirklichkeitssinn ebenso wenig zu tun; und so war man mit der Sache denn auch schon zu weit gegangen: 1987 schloss das oberste US-Gericht den Stoff aus dem Biologie-Unterricht an öffentlichen Schulen aus. Natürlich wurde daraufhin eine Vergeistigung des Stoffes erfunden, in diesem Fall die Lehre vom „Intelligent Design“, die im Prinzip dasselbe bedeutete wie die gröbere Ausführung, wie immer in solchen Fällen; jetzt also mit dem Inhalt: Ein höheres Wesen hat uns mit Einsicht geplant und dem gemäß erschaffen. Solche Vergeistigungen sind ja so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich verweise für die, die es genau wissen wollen, auf den Vortrag über Kierkegaard und den Kreationismus (hier auf der Netzseite); und für den, der sich die Zeit nehmen will: verweise ich außerdem auf die Schrift „Fortsetzung und Abschluss zum Begriff der Hochfinanz“ (ebenfalls hier – die sich an Hand von Zwischenüberschriften leicht auf einzelne Gesichtspunkte hin überfliegen lässt). Also soviel zum paradiesischen Theismus, als Aushängeschild der Hochfinanz und als Vehikel ihrer in Wahrheit atheistischen Motive.

(9) Oder auch: die Hochfinanz denkt deterministisch: d.h. in gewissen Randbereichen der Naturwissenschaft sucht man uns mit penetrantem Moralin den freien Willen abzusprechen; und zwar denken dieses Mal nicht nur die innersten Kreise so. Zumal sich der Determinismus mit dem gerade genannten populären Schöpfungsbericht bei Moses höchst irreligiöser Weise geradezu exemplarisch gut verträgt, geradezu zwingend deckt; siehe dazu insgesamt (ebenfalls hier) außer dem zuerst genannten Vortragstext auch den zweiten: „Determiniert? Durch was denn? Schlussfolgerungen zur Willensfreiheit“.

(10) Fügen wir noch hinzu, dass die Hochfinanz, nicht nur atheistisch und deterministisch, sondern – widersprüchlicherweise, chaotischerweise – zugleich skeptizistisch, aporetisch oder auch agnostizistisch denkt; und dass sie es auch in der Methode tut; denn wenn schon agnostizistisch – das heißt, wir können auf philosophischem Gebiet nichts erkennen – warum soll man sich dann noch Mühe geben: deshalb kommt der gedrillte Hochschullehrer nicht mit Argumenten, wenn jemand logisch redet; er sagt nur vornehmelnd streng und abweisend: „Ja, vielleicht!“ oder sonst irgendetwas Dummes und Unsachliches, etwas, was vornehm ist, weil es keine geistige Anstrengung erfordert, z.B. „Regen wir uns erst einmal ab“; in Dänemark sagt man: „Das ist ein Standpunkt.“

(11) Und fassen wir nun schließlich zusammen, dass also alle diese Themen, mit entgegengesetzter Beantwortung wie bei den Geldleuten und ihren Lakaien, nicht nur der Inhalt dieser Netzseite, sondern auch der Inhalt der besagten Kierkegaard-Kommentare und -Einleitungen sind – wenn auch in beiden Fällen mit verschiedener Ausführlichkeit und Methode.

(12) Und der Zusammenhang von all dem mit der festgestellten Förderung gerade der Impotenten, der Unschöpferischen und der Durchschnittsköpfe durch den finanziellen Hintergrund? Antwort: Atheismus, Determinismus und Agnostizismus in Verbindung mit offiziellem Kitsch-Theismus sind das Ende der Philosophie; es lassen sich auf dieser Grundlage keine schöpferischen Naturen fördern; so dass für die Hochfinanz nur die langweiligen, die sterilen und impotenten Nachbeter übrig bleiben; für die man in Goethes Faust, ziemlich am Anfang, die Passagen über den Famulus Wagner, den „trocknen Schleicher“, nachlesen kann.

(13) Also privater Neid, private Missgunst und Aufgeblasenheit als Unstern für meine Kierkegaard-Ausgaben, bei der Anschaffung, bei der Verwendung an den Universitäten und bei der Einwirkung auf den Verlag; man glaubt gar nicht, wie hartnäckig solche Naturen vor allem in der zuletzt genannten Hinsicht sind; nicht etwa, weil sie eine große Ausdauer, also doch so etwas wie Größe hätten, sondern weil ihr Hass sich gar nicht beruhigen kann und weil sie nichts Besseres zu tun haben. Dann zweitens, für die Kräfteverhältnisse in der äußeren, äußerlichen Schicht des geistigen, wissenschaftlichen Lebens: als Unstern, als ungünstige Voraussetzung vor allem die Hochfinanz und deren Weltanschauung, der die meinige extrem entgegengesetzt ist. Und drittens: ich wurde gewarnt: Die Gruppe so und so „will seinen Tod“ „ ... ... wants his death“ – und dann wohl auch das Nichtwiedererscheinen seiner Bücher – ich rede in diesem Fall nicht von der Ostküste der USA! Und schließlich viertens: der Vatikan als Todfeind; man kann sich das gerade bei meiner Philosophie sehr gut denken (siehe u.a., z.B., den Vortragstext über Kierkegaard und den Kreationismus sowie „Fortsetzung und Abschluss zum Begriff der Hochfinanz“): Der Vatikan ist US-gesteuert; und: die Pfaffen sagen sich: „Der Gedanke des Außenseiters ist zwar zutiefst theistisch; und was das Schlimmste ist: er ist mit keinem einzigen der bisherigen Probleme des Theismus belastet; aber wir sind nicht darauf gekommen, es war eben ein Außenstehender“ – man kennt doch die Frage: Wer sind Sie? Es geht um das Ego in Verbindung mit Cliquenabsprachen – „Also,“ so die höheren Kleriker, „darf der Gedanke nicht zur Geltung kommen.“ Alsbald nach 1984 (siehe die Aufzählung der Ausgaben am Anfang) begann der neue Theismus in der Kirche zaghaft zu blühen, weit und breit; wer die Hintergründe kannte, erkannte auch die zaghafte Blüte; aber ihre Zeit war nur kurz; die Subalternen, die Besseren in der Kirche (sie hatten keine Karriere gemacht), hatten sich zu frühzeitig vorgepirscht, sie hatten keine Erlaubnis dafür; und alsbald fiel denn auch der Reif der höheren Geistlichkeit, der Geistlosigkeit, der Sünde gegen den Heiligen Geist, auf den eben erst aufgebrochenen Frühling. Es wurde ein abgebrochener Frühling. Trauere ich darüber? Ich denke nicht daran! Die Kirche bekommt wie alle anderen genau das, was sie verdient. Benutzt sie im Übrigen weiter als Haus des Allerhöchsten; es führt zu nichts, wenn wir eine neue Kirche gründen; aber vergesst auch nicht den Antiklerikalismus des Nazareners!

(14) Im Übrigen habe ich – was ich bisher noch nicht erwähnt, nicht vorbereitet und nicht eingeleitet habe – mit meiner Haltung in der Politik gewisse „Familien“ bis zum Äußersten gereizt. Natürlich tönt mir jetzt entgegen, im Geist zumindest: „Da überschätzen Sie Ihre Bedeutung.“ Den vorgefertigten Spruch hat ja inzwischen jeder Kleinkrauter aufgeschnappt und ziert damit sein Allerweltsdasein, sobald sich die Gelegenheit bietet. Aber ich muss die Dinge so wiedergeben, wie sie sind.

(15) Alles das also war der Unstern für meine anfangs genannten vier Ausgaben von Sören Kierkegaard. Und die Folge? Von den vier Ausgaben wird die dritte, „Die Krankheit zum Tode“, nicht wieder aufgelegt, seit Mitte 2005, soviel ich weiß; es passt ins Bild, dass ich keine Nachricht bekommen hatte; und die zweite, die „Philosophischen Bissen“, ist und bleibt seit 2006 ebenfalls vergriffen.

(16) Meine Konsequenz daraus? Soll ich die Texte auf andere Weise liefern? Oder soll ich sagen: „Ihr interessiert mich nicht“? Auch hierauf könnte man kommen; aber ich sagte ja: es bleibt zu differenzieren, und das will ich jetzt versuchen!

(17) Einerseits heißt es in einem Rundschreiben der „Deutschen Gesellschaft für Philosophie e.V.“ vom 23.06.2003 unter anderem:

Das Fach „Philosophie“ bewegt sich gegenwärtig in einer eigentümlichen Spannung. – Ja, lieber Leser, man wird sehen, dass die Spannung nur eine preziöse Ausflucht ist. Und weiter. – Auf der einen Seite liegen die Fragen und Probleme, die unsere Zeit bewegen und zu deren Bearbeitung die Philosophie einen genuinen Beitrag zu leisten vermag, gleichsam auf der Straße. Neben ihrer unbestrittenen Rolle in Bezug auf die kulturelle Überlieferung und Entwicklung der Gesellschaft, manifestiert sich die Aktualität der Philosophie darin, dass grundbegriffliche Klärungen in nahezu allen Themenfeldern, die die Situation unserer Zeit bestimmen, gefordert sind. – Bei diesen Leuten „ist“ immer irgendwas „gefordert“. Die Philosophie ist eine Stilblüte von der Stange, Freunde! Und weiter heißt es:– Denken Sie an die Rede von „Wissensgesellschaft“, „Natur und Umwelt“, „wissenschaftlich-technologischer Zivilisation“, „Gentechnologie“, „Lebensbedingungen künftiger Generationen“, „Ethik des medizinischen Fortschritts“, „Menschenrechten“ und vielem mehr. – Vermerk dazu: Wir haben hier, bei dieser Flucht in andere Disziplinen, soweit sie nicht überhaupt nur Ideologie oder Modethemen sind, einen der beiden Punkte entscheidender Kritik. Und weiter:Grundsätzlich sind philosophische Kompetenzen überall dort gefragt, wo Klärung der Sachverhalte und auf Gründe zurückgreifende Argumentation erfordert sind. – Eine unbegreifliche Gedankenlosigkeit der letzte Satz! Die „Klärung der Sachverhalte“ und „Gründe“ sind überall und in jeder Wissenschaft die selbstverständlichste Aufgabe von der Welt; und weitgehend auch darüber hinaus. Wie lächerlich ist es, sie für die Philosophie zu reservieren! Glaubt man denn, Handwerker kümmern sich nicht um Gründe und Klärung von Sachverhalten? Sie gehen ganz sicher sehr oft viel rationaler vor als manche Philosophie-Dozenten.

Auf der anderen Seite jedoch – und das ist der zweite Hauptpunkt der Kritik – droht dem Fach im institutionalisierten und kontroversen Feld der Wissenschaftspolitik auf Universitäts-, Landes- und Bundesebene die Gefahr der Marginalisierung – nämlich: an den Rand gedrängt zu werden. – Diese Spannung zwischen offenkundiger Aktualität und drohender Marginalisierung fällt in eine Zeit stärkster finanzieller Restriktionen... ...

(18) Und so weiter. Und ebenso in einem Rundschreiben vom 15.12.2005:

Der Präsident berichtet über die Lage des Faches „Philosophie“ an den Universitäten in Deutschland: einerseits ist die Relevanz des Faches für alle wichtigen Themen des gegenwärtigen Zeitalters mit Händen zu greifen (z.B. in den Feldern Bioethik, Gentechnologie, Natur/Umwelt, Ethik in der wissenschaftlich-technischen Welt, Lebenswelten und Wissenschaften, Wissensgesellschaft und vieles mehr); andererseits droht dem Fach eine institutionelle Marginalisierung in einem in Deutschland bislang nicht gekannten Ausmaße.

(19) Sodann für die, die an einen Kampf gegen Windmühlenflügel glauben:

In Bezug auf gefährdete Studiengänge und Standorte hat die Deutsche Gesellschaft für Philosophie im Berichtszeitraum in einer Reihe von Fällen mit Erfolg interveniert.

Einen überaus positiven Effekt im Hinblick auf die Fertigung des Faches in der Öffentlichkeit –
was für eine Sprache! – hat auch der „XX. Deutsche Kongress für Philosophie 2005“ mit seiner Thematik „Kreativität“ gehabt, insofern das Interesse sowohl der Wissenschaften als auch der Öffentlichkeit bereits im Vorfeld immens war. – Und ein solches Interesse soll die Öffentlichkeit ausgerechnet für die „Kreativität“ bewiesen haben! Man sollte anstandshalber schon per se nicht allzu oft über das entlarvende Modethema reden, schon gar nicht während eines ganzen ausgewachsenen Kongresses. Stattdessen ist man – wenn schon – kreativ. Dann reizt das Gerede darüber mit Sicherheit keinen Menschen mehr.

(20) Ein anderer Dozent, der neue Präsident der Philosophie-Gesellschaft, fährt mit den Worten fort:

Diese Herausforderungen – die der “Sparpolitik“ und der „ neuerdings stringenten Berufsorientierung des Studiums“ – sind für die Philosophie ungewohnt und erfordern deshalb ein Umdenken. – Von „Umdenken“ sprachen in den ersten Nachkriegsjahren mit Vorliebe die Theologen; es war eines ihrer Modewörter, das sie stolz vom griechischen meta-noein ableiteten; jetzt haben sich die so genannten Philosophen des kostbaren Erbes auf dem Flohmarkt bemächtigt. Doch weiter im Text:Hinsichtlich des Faches Ethik bzw. Praktische Philosophie sieht sich die Philosophie in Konkurrenz mit anderen Fächern wie etwa der Theologie, der Psychologie oder der Soziologie. Auch außerhalb der Universitäten, beispielsweise hinsichtlich der Langzeitprojekte der Akademien, sehen sich die philosophischen Projekte neben anderen unter Druck. – Sie „sehen sich unter Druck“? Sie sind nicht überzeugend! Und so haben wir auch hier den einen der beiden Punkte der Kritik: den aussichtslosen Versuch der falschen Philosophie, sich bei anderen Disziplinen den Inhalt zu holen, den sie selbst und von sich aus nicht hat. In diesem Sinne heißt es weiter:Auf diese Situationen muss die Philosophie durch eine stärkere Profilierung nach außen reagieren. Sie muss mehr noch als bisher zeigen, was sie für die Gesellschaft leistet. – Als hätte sie es bisher gezeigt! – Dies kann sie beispielsweise, indem sie ihre Rolle in interdisziplinären Projekten weiter stärkt. – Mit anderen Worten: die so genannte Philosophie muss sich noch mehr fremde Fachgebiete okkupieren, weil sie dort bisher nicht überzeugend war! Und weiter:Als Praktische Philosophie kann sie auf ihre Arbeiten im Bereich der Technikphilosophie, der Medizinethik oder der Umweltethik verweisen. Selbstverständlich geht die Bedeutung der Philosophie nicht in diesen exoterischen Aufgaben auf. – Das Normale dagegen wäre gewesen, dass man zuerst die so genannte Esoterik in den Mittelpunkt gestellt und dann gesagt hätte, dass die Philosophie nicht in der Esoterik aufgeht. – Der mittelbare intellektuelle Nutzen der esoterischen Arbeit muss jedoch noch besser sichtbar gemacht werden. – Als ob das Elend der gegenwärtig von der Hochfinanz allein erlaubten Philosophie nicht darin seinen Grund hätte, dass sie sinnlos und unfruchtbar geredet hat, sondern darin, dass sie zu bescheiden und zurückhaltend gewesen wäre! – Und weiter: – Das gilt einmal für die hermeneutisch-philologischen Projekte. Aber auch die systematischen Fächer von der Logik bis zur Staatsphilosophie müssen deutlicher machen, welche Potentiale die Arbeit im Elfenbeinturm für die exoterischen Belange der Philosophie bereitstellt. – Freunde, innerhalb und außerhalb der Universität, es ist ja klar: der „Elfenbeinturm“ als Requisit des Stumpfsinns darf auf einem Philosophie-Kongress nicht fehlen. Und immer dient er dabei als blödelnde Ausflucht dafür, dass man in Wirklichkeit nicht philosophieren will, sondern dass man auf die „exoterischen Belange“ ausweicht, weil man nicht philosophieren kann.

(21) Soweit die Universität – ein Teilaspekt von ihr! Und das Résumée, der Tenor, der Hauptinhalt der jetzt zitierten Reden auf dem Kongress? Die Philosophie der Gegenwart ist unbrauchbar und sinnlos; sie besteht nur noch in unfruchtbarem Haarespalten, in modischen Meinungen, in wichtigtuerischen Zerlegungen und Zergliederungen, in der willkürlichen Wiederaufnahme irgendeiner mittelmäßigen These aus der Vergangenheit, der „Philosophie des Du“ zum Beispiel, die wiederaufgewärmt wird, oder von Gott weiß was sonst; der ganze Witz kann auch in einer eigenen, besonderen Sprache liegen, oder in dem Nachbeten der ausgefallenen Sprache eines anderen, z.B. Heideggers, in Behauptungen, die man mit falscher Verve, mit falscher Salbung vorbringt und die man danach stillschweigend widerruft, in neu erfundenen Wörtern, denen man einen Inhalt zuschreibt, in großsprecherischen Metaphern aus der Welt der Juristerei und der Medizin, der Ringkämpfer und der Unternehmer, in modischen Redensarten, unrichtig vernünftelnd oder moralisierend, z.B.: für die Auslegung, für das „Verständnis“ dieses oder jenes Philosophen gebe es „keine allgemein gültige Formel“ – so lautet eines der blödesten Schlagwörter, mit denen man sich und anderen das Denken verbietet, für das man sich so oder so nicht eignet; und eine „speziell“ „gültige Formel“ im Gegensatz dazu findet man selbstverständlich auch nicht; es heißt dann nur, der Text sei „je“ vom Einzelnen, „je“ individuell, nur mit Wirkung für ihn, neu zu erfassen – „nur mit Wirkung für ihn!“ so fordert man mit Strenge; nur keine Kont rolle des Gedachten! – oder es geht um Idiotien, die destruktiv und dummschlau sind, wie z.B. der Gedanke, der ein Geniestreich ist: philosophische Texte müssten grundsätzlich unverständlich bleiben, weil die im Zusammenhang des Textes stehenden Wörter in der Zusammenhanglosigkeit des sprachlichen Lexikons zahlreiche verschiedene Bedeutungen hätten; natürlich drückt man sich nicht so einfach, klar und unmittelbar aus, man umschreibt den Unsinn; in diesem Fall den der „Sprachphilosophie“, der der allergrößte ist.
      Klar und direkt zu reden, ist überhaupt politisch inkorrekt, es ist brutal und hanebüchen, es sei denn es geht um ein dummes Schlagwort mit seiner Art von Klarheit. Es ist dasselbe, wie vorhin (in Absatz 12), nur weniger kurz und weniger abstrakt: Atheismus, Determinismus und Agnostizismus als Ende der Philosophie; wobei wir dieses Mal zugleich eine Konsequenz vor Augen haben: der so genannte „Philosoph“, der Philosophiedozent demnach, oder auch der philosophische Medien-Hätschelknabe, mischt sich in fremde Sachgebiete ein, um sie mit seiner eigenen Armut zu bereichern oder um sie erst richtig zu vollenden – Von Nichts käme Nichts? Das wollen wir doch mal sehen! Die Logik, die er aber auch nicht hat, und die er nach dem Willen der Mächtigen auch nicht haben darf, ist das so genannte Nichts! – In Wahrheit ist der „Philosoph“ ganz überflüssig („sein philosophisches Projekt sieht sich neben anderen unter Druck“, vorhin in Absatz 19), zumal er (wie in Absatz 16) die „Gründe“ und die „Klärung von Sachverhalten“ für sich allein beansprucht – für die der Fachmann aber nicht den „Philosophen“ braucht, nur weil gerade dieser Letztere auf seinem eigenen Gebiet gescheitert ist. Künsteleien gehören eben auch dazu! In diesem Fall die Trennung von fachlichem Inhalt und logischer Form.

(22) Und welche Konsequenz soll ich nun ziehen, auf meine Frage soeben in Absatz 16? Soll ich die Texte der „Philosophischen Bissen“ und der Schrift über „Die Krankheit zum Tode“ von mir aus zur Verfügung stellen, oder soll ich mir sagen, bei solchen Leuten hat es keinen Sinn? Die Antwort ist insoweit klar: Bei denen, die in dem beschriebenen Ungeist voll und ganz und wirklich aufgehen und sich womöglich sogar mit Hochmut darauf versteifen, wäre es sinnlos; hoffen wir, dass es nicht allzu viele sind und dass die meisten von denen, die sich mit Philosophie befassen, der jetzt zur Mode gemachten Linie nur nolens volens folgen.
     Die Unterscheidung zwischen den beiden Gruppen ist allerdings nicht leicht.
     Es gehört ja nicht viel dazu, sich klarzumachen, sich in seinem stillen Innern klarzumachen, dass die jetzige Philosophie, sagen wir, seit wenigstens vier oder fünf Jahrzehnten, erbärmlich, lächerlich und nichtig ist; es ist vielleicht dreißig Jahre her, dass einer von den Leuten selber schrieb: „98% der Fragen, die wir behandeln, sind nicht wert, dass man sie aufwirft.“ Sie sagen es selbst! Vor etwa zwanzig Jahren war von ihnen zu hören: „Wer hilft der Philosophie?“ Gemeint war: aus ihrer peinlichen Sinnlosigkeit, aus ihren läppischen, sterilen Gedankengängen, ihrer Frustration und Ergebnislosigkeit, die inzwischen stillschweigend allbekannt geworden waren. Dabei wäre es so einfach: man ist Dozent der Philosophie und bringt den Studenten die Inhalte der großen Philosophen bei, die Neugriechen z.B. haben regelrechte philosophische Lehrbücher. Was tut man stattdessen? Jeder Philosophie-Dozent kann sich „Philosoph“ nennen – ob er es tut, ist eine andere Frage – und dann drauflosfaseln, natürlich über die jetzigen Modethemen, Ökologie, Ethikrat usw. usf.; das war der Ausweg! Auch auf diese Weise kann man eine Flucht nach vorn antreten!
      Kehrt den wirklich Eingefleischten von ihnen den Rücken! Spart das Geld. Entzieht ihnen die finanzielle Grundlage. Ist das meine Konsequenz? Wie wir wissen, haben wir soeben in den Kongressverlautbarungen gelesen, dass es die Konsequenz der zuständigen Behörden oder der übrigen Abteilungen der Universität ist! Die so genannten Philosophen werden „marginalisiert“, an den Rand gedrängt. Ich halte das allerdings für richtig und für angebracht!
      Aber wie gesagt, die Qualität ihrer eigenen Produkte ist den meisten ja nicht verborgen; auch aus Gesprächen unter vier Augen weiß ich und wissen wohl auch andere, dass viele für ihre eigenen Schriften nur Verachtung haben. Übertreibe ich? Absolut nicht! Ganz ähnlich haben wir ja vorhin in den beiden Briefen des Verlages gelesen, dass man eine „Beschränkung“ meiner „`über´-guten“ Kommentare allgemein für „angeraten“ hält, damit nicht „selbst dem kundigen Kierkegaard-Leser zu häufig vor Augen geführt werde, was ihm alles bisher entgangen sei.“ Diese Leute wissen insofern gut Bescheid! – Sie sagen auch (siehe den zweiten Brief), meine „Kommentare böten mehr, als ein Leser aufnehmen könne“, und sagen im Übrigen auch das in böser Absicht! Freunde, aber es ist zugleich breiiger Unsinn: wenn sie wirklich wissen, dass die Kommentare „mehr bieten“, dann haben sie dieses Mehr auch „aufgenommen“.

(23) Es ist in meinem Fall noch etwas hinzugekommen. Der Verlag stellte, anlässlich des Kierkegaard-Jubiläums des Jahres 2005, nicht etwa einen verbilligten Reklame-Sonderdruck oder Ähnliches zur Verfügung; sondern er brachte, gegen den Vertrag, eine äußerst billige Sonderausgabe ganz speziell meiner Übersetzungen heraus; wodurch unerfahrene Käufer von den eingeleiteten und kommentierten Ausgaben abgehalten wurden. Sie wurden auch nicht allein durch finanzielle Motive davon abgehalten, sondern indem man ihrer Eitelkeit schmeichelte. Bringt man nämlich den Werbetext in der Sonderausgabe auf seinen eigentlichen, ursprünglichen, ganz objektiven, um nicht zu sagen: naiven Sinn – was man ja immer tun soll, wenn es um Psychologie, und zwar in diesem Fall: um Reklame geht – so besagte eben dieser Sinn: die Sonderausgabe ist für die ursprünglichen, die genialen Menschen gemacht, sehr im Gegensatz, lieber Leser, zu der kommentierten und eingeleiteten Ausgabe. So genanntes genialisches Wesen, das gehört, ewig menschlich, eben auch mit zum pseudophilosophischen Mist; man kann es nicht genug verachten.
      Wenn man nicht will, dass einem etwas Tatsächliches „vor Augen geführt“ wird, so ignoriert man es; so ist es auch bei kleinen Kindern; anders nur bei wirklich genialen Menschen – genial im weiteren Sinne, so wie es jeder Akademiker eigentlich sein sollte, Freunde, aber dennoch zugleich im Sinne des Nachprüfbar-Intellektuellen! – Doch zurück zu unserer Frage:

(24) Die Ausgaben der „Philosophischen Bissen“ und der Schrift über „Die Krankheit zum Tode“ werden nicht neu aufgelegt. Wem soll ich sie nun von mir aus zugänglich machen, nach allem, was gesagt worden ist?
     Es ist eben nicht alles gesagt worden! Mit anderen Worten: die Ausgaben sollten den gleichen Naturen, Intellekten und Charakteren wieder zugänglich werden, wie die es waren, die meine Ausgaben bei jeder Neuerscheinung in großer Zahl und auch danach noch in angemessenem Umfang und oft ebenfalls wieder in großer Zahl angeschafft haben; ich habe nicht gesagt: sie sollten für diejenigen bereitgestellt werden, die von der Art sind, dass sie meine Ausgaben kaufen, wenn sie die Gelegenheit haben! Es ist eben nur nicht so, dass alle, die sich geistig mühen, vom Ungeist der Gegenwart, von den Vorschriften der finanziellen Hintergrundkreise, von der Reduzierung auf dumme Schlagwörter, vollständig beherrscht sind; oder auch, dass sie überhaupt davon beherrscht sind. Ich denke – um nur ein Beispiel unter vielen zu nennen – auch an diejenigen, die die Bekanntmachung der Nichtwiederauflage im Internet mit einem „leider“ kommentierten.
      Der Verlag war über die Verkaufsziffern meiner Ausgaben bei jeder Neuauflage hocherfreut und ließ mich das auch wissen. Auch bei der Schrift über „Die Wiederholung“, meiner vierten und letzten Kierkegaard-Ausgabe, waren die Ziffern sehr günstig und blieben es in diesem Fall sogar noch eindeutiger als sonst; aber gerade bei dieser Auflage ging der Verlag so weit, dass er mir bei der jährlichen Abrechnung jedes Mal die Verkaufsziffern verschwieg! Außer für das Jahr 2006: Unter anderem für dieses Jahr bedeutete er mir, in einem von zwei Schreiben (am 14.12.06), einen guten oder sehr guten Verkauf, vielleicht weil er noch nicht wusste, dass ich nicht bereit war, meine Ausgaben auf das modische und unfruchtbare Niveau zu reduzieren, das er sich unter der Einwirkung einer Reihe von Dozenten vorstellte. Und er teilte mir dann in einem anderen Brief, für dasselbe Jahr 2006, extrem niedrige Ziffern mit – nachdem ich gemäß § 17 des Verlagsgesetzes meinen Rücktritt von den beiden Verträgen angekündigt, aber noch nicht ausgesprochen hatte.
      Und das Resultat alles dessen? Wie so oft: man tut gut daran, kein Wort mehr zu glauben. Mit der praktischen Konsequenz: dass wir demnächst die beiden Werke „Philosophische Bissen“ und „Die Krankheit zum Tode“ im Anschluss an die jetzigen Ausführungen, ungekürzt und unverändert, mit Einleitung und Kommentar ins Netz stellen.

(25) Freunde, nur noch ein Gedanke! Die vielberufene Kantische Wende – Ignoramus Ignorabimus „Wir wissen es nicht, und werden es niemals wissen“ – im Munde aller theatralischen Intellektuellen der beiden Jahrhunderte nach ihm, dieser ganze, so genannte Beginn einer neuen Zeit, war nur ein persönlicher Irrtum Kants, nur eine Idiosynkrasie der Person des Königsberger Philosophen. Ursprünglich war es sogar die Art der kleineren Intellektuellen: Schon René Descartes hat sich über das trostlose Vorurteil, die abträgliche Besserwisserei beklagt: „Ah, on ne sait pas ces choses“ „Ach, von diesen Dingen wissen wir nichts“. Keine Spur von einem Hegelischen „Weltgeist“; der diesen Schritt zuallererst mit Kant getan haben sollte! Bei Kant war es dann die endgültige Unerkennbarkeit des „Dinges an sich“: Aber du lieber Gott! Schon seine eigene „Kritik der praktischen Vernunft“ schließt die Prämissen für eine bessere Einsicht in sich. Kant hatte einen genialen Schritt getan; aber nur für die „Vernunft“, den Intellekt. „Als ob wir nur erkennende Wesen wären,“ sagte Schopenhauer. Und schon war Kant fertig mit seiner endgültigen, für alle Zeiten umwälzenden Einsicht in die absolute Verschlossenheit des „Dinges an sich“ für „unseren menschlichen Verstand“. Nur weil ihm das lag! Es tat seiner Größe Abbruch – wenn es ihm auch bei der Hochfinanz unendlich nützlich war, so dass man sich auf dieser Grundlage die Überschwenglichkeit seines Ruhmes leicht erklären kann! Achtet nur einmal darauf, wie häufig er bei seiner Version des Ignoramus Ignorabimus spitz und hämisch wird oder mit unangebrachter, arroganter Ungeduld auftritt – und dem Psychologen auf diese Weise schon einmal ein Kriterium dafür gibt, dass der große Kant in diesem Punkt im Irrtum war! Hätten die vielen, die ihm gefolgt sind, nur ein einziges Mal den Willen ordentlich durchdacht – über Schopenhauer hinaus! – statt immer und ewig, geradezu frustrierend in ihrer sektenhaften Sprache, nur vom „Bewusstsein“ und von dessen noch absurderer „Veränderung“ zu reden! Als könnten wir mit einer Änderung des Bewusstseins irgendetwas in der Welt verbessern! Wahrhaftig! Hätte man sich also stattdessen in gestraffter Weise und überzeugend die Natur des Willens klargemacht: wir fänden uns in unserer Welt, in unserer Existenz zurecht! Oder zählt der Wille nicht! Wäre es nicht folgerichtig gewesen, sich nach der „Kritik der Vernunft“, des Intellektes, nun auch noch die andere Kraft in unserem Innern, die zweite Komponente unseres Wesens, genau und gründlich vorzunehmen?
      Der Lektor des Verlages kam beim Bonner Philosophie-Kongress von 1984 mit der Taxe zu meiner damaligen Wohnung in Bonn-Bad Godesberg und sagte, was ich für den Theismus getan hätte, solle ich auch für die Einsicht in ein Weiterleben nach dem Tode tun; er hatte Recht, vom Wortlaut einmal abgesehen. Noch war er ungebrochen. Ich bin es jetzt noch, Freunde! Auf mich könnt ihr euch verlassen – falls ihr dafür Interesse habt; ihr müsst ja nicht; und ich habe Geduld, jedenfalls meine ich, dass ich sie haben sollte.
      „Wir sind in diese Welt geworfen und wissen nicht, woher und wohin.“ Freunde, man hat es geschafft: die Wirrköpfe führen das große Wort.
      Soll das das Grundgefühl in deinem Leben sein? Gut! Wenn du es willst! Wie gesagt: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich – und seine Hölle“, das gilt für diese und für jene Welt. Bedenke nur, dass die Ungewissheit ebenso sehr Unglück wie Glück verbirgt. Oder erscheint dir die Ungewissheit denn doch ungereimt? Und kommt es dir, wenn du dich radikal vertiefst, so vor, als hättest du aus deiner eigenen Existenz denn doch nicht alles das gefolgert, was man aus ihr folgern muss? Ist es so? Dann findest du schon jetzt das meiste von dem, was notwendig ist, hier auf www.rochol.net – und den gesamten Kern der Sache, neben vielem anderen, in den vier Kommentaren und Einleitungen – im weitergedachten Descartes, Kierkegaard, Schopenhauer und Kant.
      Es grüßt euch alle
Hans Rochol
im Mai 2007






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