(46) Denn schon hieraus nun, allein schon aus dieser Ursprünglichkeit des Willens in Gestalt seines Aus-Sich-Selber, aus dieser ganz bestimmten, ihm eigenen Art der Subjektivität, und so denn auch der Selbstbestimmung, der Selbstdetermination, geht zugleich hervor, dass es einen begrifflichen Widerspruch und damit eine absolute Unmöglichkeit bedeutet, "Liebe" und sonstige "Gefühle","reaktive Fähigkeiten" ,"emotionale Tiefe" und alles, was sonst noch Teil oder Funktion des Willens ist, "einprogrammieren" , und damit eindeterminieren zu wollen. Und es ist bei all dem, wie gesagt, ganz gleichgültig, ob von "geben" , "einbauen", "erschaffen" oder "einprogrammieren" die Rede ist und ob die eingangs zitierte Frau Foerst eines der Synonyme, z.B. das "Einprogrammieren" , in dem einen oder anderen Fall verneint und dann widersprüchlicherweise doch die übrigen Synonyme bejaht; und zwar ist es schon deshalb gleichgültig, weil sie auf Grund des Zusammenhanges ihres eigenen Gedankens, sämtliche Synonyme in derselben deterministischen Bedeutung gebrauchen muss. Aus demselben Grunde bedeutet es einen begrifflichen Widerspruch und damit eine ebenso absolute Unmöglichkeit, "ein uns ebenbürtiges Wesen zu erschaffen" ; denn eine solche übermenschlich widersprüchliche Tat hatte Frau Foerst ja ebenfalls konzipiert. Der Widerspruch zwischen einer solchen Determination durch Erschaffen und dem Aus-sich-Selber des Willens befindet sich übrigens in einer sehr tiefen Analogie zu der anfangs genannten Unmöglichkeit für den Techniker, in die innere Struktur der Computer-Elemente einzugreifen, statt sie durch Koordination nur auszunützen. Und entsprechend kann ein planender Kopf auch den menschlichen Willen, durch geschickte psychologische Koordination mehrerer Menschen, einer ganzen Gruppe von Menschen und aller möglichen Motivationen, nur ausnützen oder lenken; er kann ihn allenfalls durch tyrannische Motivationen ausnützen oder lenken. Aber er kann ihn niemals "erschaffen" oder "einbauen" oder "programmieren" oder sonstwie determinieren. Allerdings könnte man eine solche Menschengruppe im Rahmen einer mehr als wüsten Analogie immerhin noch irgendwie als "Computer" bezeichnen – etwa um den systematischen Zusammenhang deutlich zu machen. Und es zeigen sich bei all dem im Übrigen die ersten Voraussetzungen des wahren Verhältnisses zwischen uns und einem Gott, der uns etwa ins Dasein riefe.

(47) Es verhält sich hiermit und mit den entsprechenden Gegebenheiten beim Computer also völlig anders, als Frau Foerst es ohne weiteres analog zum Intellektuellen konzipiert hat, ohne die Natur des Willens zu untersuchen; es kommt, wie schon gesagt, als zweiter Grund hinzu, dass menschenähnlicher Wille und Willensnuancen, also voluntative Subjektivität, in einem Computer oder Roboter außerdem aus denselben Gründen nicht möglich sind wie intellektuelle Subjektivität: Bewusstsein, Denken und jede Art von Erkenntnis.

(48) Und soviel nun also zum Begriff der "Künstlichen Intelligenz" und zu ihren Gegenbegriffen: dem Bewusstsein und dem Willen des Menschen. Der Wille ist von diesen beiden die Freiheit selbst, dank seiner gezeigten Struktur: dem Aus-Sich-Selber: seiner Ursprünglichkeit: dem Ursprung, den er in sich selber trägt. Und es wird sich noch genauer herausstellen, welche Gesichtspunkte und Differenzierungen hinzukommen. Dabei wird sich unter anderem zeigen, dass aus dem bisher Gesagten wahrhaftig alles andere als atheistische Schlussfolgerungen zu ziehen sind; und dass wir auf die ohnehin unmögliche Unsterblichkeit des Computer-Programms leichten Herzens verzichten können, wenn wir den Gedanken vom Aus-Sich-Selber, in unserem Willen und in der übrigen Natur, konsequent zu Ende denken.

(49) Es dürfte angesichts der angedeuteten erstaunlichen Natur des Willens auch nicht schwer sein zu ermessen, dass er von den beiden Komponenten unserer Innerlichkeit die ist, auf die es vor allem ankommt. Gerade deshalb berücksichtigt ihn die Ideologie von der "Künstlichen Intelligenz" denn auch am allerwenigsten. Und es müsste sich zugleich gezeigt haben, dass diese geistige Verirrung nur als Kontrastgedanke zum menschlichen Willen und Bewusstsein einen gewissen, begrenzten, relativen Wert hat; und dass sie darüber hinaus zu dem Wertlosesten gehört, was sich denken lässt. Im Übrigen aber liefert uns die Geschichte der Philosophie noch einen weiteren Kontrastgedanken, den wir mit einbeziehen sollten: man soll sich über philosophiegeschichtliche Gesichtspunkte ja nie um ihrer selbst willen auslassen; vielmehr sollte man sie immer nur dann behandeln, wenn sie dazu beitragen, einen Gedanken zu beleuchten, der für uns von Bedeutung ist – im Unterschied zu dem, was für uns nur von musealem, krankhaftem Interesse ist.

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© www.rochol.net, Dr.Hans Rochol, September 2003.