(28) Aber gleichgültig, was diese und ähnliche Überlegungen auf sich haben; und gleichgültig auch, ob sich mit Mausklick und Tastatur etwa nur ein Teil des Gedankeninhaltes übertragen lässt – was aber keinen prinzipiellen Unterschied bedeuten würde – so erinnert uns jedenfalls die Computerisierung und Ent"sülz"ung, der krasseste Gesichtspunkt der "K.I", an einen neuen Aspekt der Sache. Wir haben zu aa) unter dem ersten der drei Gesichtspunkte begründet, warum die "Künstliche Intelligenz" ideologischer Unsinn ist – das heißt: warum sie absolut unmöglich ist. Jetzt ergibt sich der Gedanke, warum die natürliche Intelligenz möglich ist; oder was sie jedenfalls zur Voraussetzung hat; oder noch vorsichtiger: was jedenfalls immer und unter allen Umständen mit ihr verbunden ist. Nämlich unter anderem das, was die Menschheit Bewusstsein nennt, die grundlegendste Komponente des Intellektes und des Denkens. Sie gehört zu dem, was uns vom Roboter und überhaupt vom Computer: d.h. von deren unbelebten und nach menschlichen Zwecken rein äußerlich koordinierten Elementen am offenkundigsten unterscheidet. Vor allem aber haben Minsky und Moravec bei der Ent"sülz"ung die Frage des Willens vollständig übersehen; überhaupt wird diese Frage von der gesamten, weit verbreiteten K.I.-Ideologie zumindest völlig unzureichend behandelt. Wir sollen also beim Menschen nur an den Intellekt denken: denn Computer-Programme sind ja ausschließlich der Ausdruck unseres Intellektes, nicht unseres Willens. Es heißt ja auch "Künstliche Intelligenz", und nicht etwa "Künstliche Intelligenz und künstlicher Wille" oder zusammenfassend: "Künstliche Innerlichkeit", "Künstliche Subjektivität" . Und man könnte also nicht nur, sondern man müsste sogar die Frage stellen, ob etwa der Mensch – denn ein solcher ist es ja, der durch die Ent"sülz"ung unsterblich werden soll – nicht nur einen Intellekt hat; sondern ob man schon einmal hat läuten hören, dass er darüber hinaus einen Willen haben soll; und ob man dann vielleicht auch gleich die Gelegenheit wahrgenommen hat, sich auf die unbestreitbare Tatsache zu besinnen, dass dieser Wille kein unbedeutender Wurmfortsatz des Intellektes ist; und dass er auch sonst nicht etwa irgendeine seiner Unterabteilungen ist; sondern: dass er als die zweite, andere Komponente unseres Innern, unserer Innerlichkeit, zumindest ebenbürtig neben Intellekt oder Bewusstsein steht. Dass er also selber und für sich betrachtet unbewusst ist: eine Tatsache, die eine ungeheure Bedeutung hat! Denn mehr, als dass man sich darauf besinnt, ist für diese Art von Erkenntnissen nicht notwendig. Dementsprechend auch nicht für die weitere Einsicht, dass in unserem Innern, in unserer Innerlichkeit, über den Willen und den Intellekt hinaus weiter nichts zu suchen und zu finden ist. Denn jeder kann sich ja, schon auf der jetzt skizzierten Grundlage, an fünf Fingern abzählen, wie sich z.B. Denken und Bewusstsein, Erkennen und Wahrnehmen, Fühlen und Gefühl, Freude und Schmerz, Liebe und Hass usw. als bloße verschiedene Nuancierungen auf die beiden Grundkräfte, des Willens und des Intellektes, verteilen; es gehört auch nicht allzu viel analytische Genialität dazu, sich klarzumachen, dass es – nur zum Beispiel! – intellektuelle, erkennende "Gefühle" gibt und voluntative, willentliche "Gefühle", usw.

(29) Die anfangs genannte Anne Foerst macht also, nach allem, prinzipiell denselben Fehler wie Minsky und Moravec, indem sie im Interview voluntative "Gefühle" wie "Ärger" und "Liebe" ohne weitere Erklärungen und Differenzierungen rein intellektuellen "Einprogrammierungen" zuordnet; oder, sollte sie dieses Synonym nicht gelten lassen wollen: rein intellektuellem "Geben", "Einbauen" , "Erschaffen" – oder wie auch immer sie es nennen will. Nun können wir dem Computer zwar die Abbilder von Vorgängen aus unserem Bewusstsein: aus der intellektuellen menschlichen Innerlichkeit, so einbauen, dass sich an Hand dieser Abbilder die genau entsprechenden intellektuellen Vorgänge im menschlichen Bewusstsein wieder reproduzieren lassen. Dagegen lässt sich dem Computer das Bewusstsein selbst und als solches nicht einprogrammieren, wie wir ja begründet haben. Dieselbe Begründung reicht nun auch für die Einsicht aus, dass sich menschliche Willensregungen nicht einprogrammieren oder "erschaffen" lassen; denn den besagten unbelebten, wenn auch koordinierten Computer-Elementen fehlt selbstverständlich nicht nur menschliches Bewusstsein, sondern ebenso gut menschlicher Wille; mit anderen Worten: es fehlt ihnen selbstverständlich nicht nur unsere intellektuelle, sondern ebenso sehr auch unsere voluntative Seite. Aber angenommen selbst, es wäre möglich, das Bewusstsein, die intellektuelle Komponente einzuprogrammieren! So wäre es immer noch bodenlos leichtsinnig, dasselbe ohne weiteres, allein schon aus diesem Grunde auch von Willensregungen, wie "Ärger", "Liebe" und Ähnlichem anzunehmen. Vielmehr wäre es auch dann unbedingt notwendig, sich vorher die Natur des Willens klarzumachen. Was man, ganz unabhängig von den jetzigen Problemen, höchstwahrscheinlich nicht bewusst, sondern völlig unbewusst unterlassen hat. Und was wir jetzt nachholen wollen – obwohl wir es aus dem soeben genannten Grund nicht nötig hätten.

(30) Als Mensch der Technik und der Naturwissenschaft müsste man gerade für den Gedanken an die Natur des Willens ganz besonders aufgeschlossen sein, sodass man die Frage nach ihr am allerwenigsten übersähe. Denn was kann, unserer inneren Erfahrung nach, ausgerechnet der Wille anderes sein als reine Dynamik, Aktivität, Energie, reines Wirken; und genau das ist ja, nach der Auffassung der Naturwissenschaft, überhaupt die gesamte Natur; und so denn, schon aus diesem Grund, auch der menschliche Wille als deren Teil. Sodass man, abgesehen von unserer inneren Erfahrung, auch von der genannten naturwissenschaftlichen These her auf den menschlichen Willen als reine Dynamik, Energie und Aktivität, als reines Wirken, schließen muss – wobei der Schluss im Übrigen zugleich psychologischer Art ist.

(31) Allerdings richtet sich dann die nächste Frage darauf, ob die naturwissenschaftliche These von der gesamten Natur als purer Energie usw. ausreichend begründet ist. Und die ihr vorgelagerte Frage wäre, ob sie überhaupt richtig sein kann; oder auch: was die Voraussetzung wäre, damit sie richtig sein kann. Denn das, was wir an der Natur sehen oder mit Hilfe technischer Apparate an ihr wahrnehmen, ist ja, sofern wir über unseren eigenen Willen hinausgehen, großenteils etwas ganz anderes als reines Wirken und pure Energie; nämlich aa) starre Materie, sozusagen Leukipps und Demokrits atomare Bauklötzchen; oder auch: Elektronen, Positronen, Neutronen, "Quarks" usw., vielleicht bis ins Unendliche, sofern man etwa auch diese winzigen Teile wieder als eine Art Bauklötzchen auffassen sollte, wenn auch mit den zwischen ihnen wirkenden Kausalitäten oder sonstigen Dynamiken. Alles das, einschließlich der dynamischen Vorgänge, so wie wir sie auffassen, dürfte die Natur, wenn sie in reiner Energie bestehen soll, also nur in einem ganz bestimmten Teil ihrer selbst produzieren, hervorbringen; nämlich nur in unseren Köpfen, nur in unserer "Vorstellung", nur als "Erscheinung"; vielleicht sogar, im allereigentlichsten Sinne, nur als Kantisch verstandene "Vorstellung" oder "Erscheinung". In jener Hinsicht dagegen, als reine Energie, Dynamik, Aktivität, als reines Wirken, könnte die Natur nur in irgendeinem grundlegenden Zustand ihrer selbst existieren, sozusagen in einem ihr besonders wesentlichen Aggregatzustand: vielleicht als eine Art "Ding an sich"; oder auch: im vollen und ganzen Sinne als Kantisches "Ding an sich". Etwa so also müsste es sich verhalten, wenn die besagte naturwissenschaftliche These richtig sein sollte; oder auch: wenn wir vielleicht auf einem anderen Wege im Wesentlichen zu demselben Ergebnis kämen.

(32)  Und bb) dürfte die Natur, auch das im Gegensatz zu dem, was wir an ihr wahrnehmen oder wahrzunehmen glauben, als reine Energie, Dynamik und Aktivität, als reines Wirken, an keiner Stelle irgendeine Ursache im engen und strengen Sinne in sich schließen. Vielmehr müsste sie sich unter diesem Aspekt, als reines Wirken usw., außerhalb der Schicht der Kausalität befinden, weil sie andernfalls, als Folge einer Ursache im strengen Sinne oder auch nur als Teil einer solchen Folge, zumindest insofern determiniert und passiv, und so denn keine reine Energie, Dynamik oder Aktivität, kein reines Wirken usw. wäre. Und da infolgedessen die gesamte über unseren Willen hinausgehende Natur und insofern! alles Empirische, sowie mit ihm zusammen selbstverständlich auch unser Wille als Teil der Natur, in ihrem grundlegenden Zustand, vielleicht als Kantisches "Ding an sich" , nur hierin bestehen dürfte, nämlich nur in Dynamik und reiner Energie, in purer Aktivität und purem Wirken – mit dem Intellekt als bloßem Abbild – so müssten die Natur und so denn auch unser Wille als ihr Teil, als reines Wirken zugleich das Bewirkte sein: sie selbst und zugleich ihr eigener Ursprung. Das heißt: die Natur müsste dann "aus sich selber" sein (ein Begriff, den zuerst Anselm von Canterbury geschaffen hat und den er noch von vornherein auf Gott beschränkt hat); oder, etwas genauer formuliert: die Natur müsste ständig aufs Neue "aus sich selber werden", "aus sich selber entstehen"; oder mit anderen Worten: sie müsste "Ursache" und "Wirkung" in Deckungsgleichheit miteinander sein. Wenn auch beides nur im weiteren Sinne (nur sensu laxiori), da eine im engen und strengen Sinne verstandene Ursache mit ihrer in demselben Sinne verstandenen Wirkung schon ihrer Definition nach nicht identisch sein darf. Und zwar müsste die Natur diese Ursprünglichkeit, dieses "Sein oder immer neue Werden aus sich selber", diese Freiheit von jeglicher determinierender, passivierender Kausalität aus dem vorhin genannten Grund auch im Verhältnis ihrer einzelnen Individuen zueinander und überhaupt im Verhältnis aller ihrer Teile zueinander haben, da die Natur, wie gesagt, andernfalls nicht in reiner Energie, Aktivität und Dynamik, nicht in reinem Wirken bestände.

(33) Soll also die Natur, wie die Naturwissenschaft es will, hierin bestehen, so kann sie es:

(34) zu aa) und zu bb) nur unabhängig von ihrer "Erscheinung", von unserer "Vorstellung" , mehr oder weniger präzise als Kantisch verstandenes "Ding an sich". Und so kann sie es

(35) zu bb) wegen ihrer Eigenschaft als reines Wirken usw. nur, wenn sie "Ursache" und "Wirkung" (beides im weiteren Sinne) zugleich ist; mit anderen Worten: sie kann es dann nur, wenn sie ursprünglich ist, oder auch: wenn sie "aus sich selber" ist oder "aus sich selber" ständig wird.

(36) Nun hatten wir die Überlegungen, die zu diesem Ergebnis führen, in der Hauptsache auf die Natur außerhalb unseres eigenen Willens beschränkt; das heißt: wir hatten den menschlichen Willen nur gelegentlich mit einbezogen, wenn es notwendig und ohne weiteres möglich war. Holen wir nun aber die Untersuchung dieses ganz besonders gearteten Teilbereiches nach, so ergibt sich, dass die Diskrepanz zwischen der Innen- und der Außenwelt für ihn entfällt, da wir unseren eigenen Willen, der wir selber sind, ja wohl von unserem eigenen Innern aus und zugleich in diesem eigenen Innern selbst erfahren: erleben und betrachten.

(37) Auf dieser insoweit weggefallenen Diskrepanz beruht jedoch zu einem guten Teil die Kantische Unterscheidung zwischen "Erscheinung" und "Vorstellung" auf der einen Seite und dem "Ding an sich" auf der anderen; das heißt: wir glauben zu aa) und zu bb) ganz genau und ganz sicher zu wissen, dass alles, was außerhalb von uns, in der Außenwelt ist, räumlich oder auch bauklötzchenartig ist; und mehr noch: dass es auch so sein müsse; und noch mehr: wir können es uns gar nicht anders denken oder vorstellen. Und vermeinen sogar, selbst dann wissen zu können, dass es in der Außenwelt so sein müsse,wenn wir von der Außenwelt nie eine entsprechende Erfahrung gemacht hätten. Das heißt: wir glauben, dass es unabhängig von der Außenwelt und unserer Erfahrung von ihr in der Außenwelt so sein müsse. Woraus nun Kant den Schluss zieht, dass wir die Bauklötzchennatur und überhaupt die räumliche Form, die "reine Anschauungsform des Raumes", von uns aus in die Natur hineinlegen, in der sie "an sich" nicht vorhanden ist: dass wir also die Natur sozusagen nur durch diese Brille hindurch sehen; mit anderen Worten: dass das Räumliche an den Dingen nur "Erscheinung" , nur unsere "Vorstellung"sei.

(38) Ganz anders dagegen verhält es sich, zu aa) und zu bb), wenn wir die pure Dynamik, Energie und Aktivität, das reine Wirken, wie schon gesagt, nicht außerhalb von uns, sondern in Gestalt unseres eigenen Willens, also in Gestalt unseres eigenen Wesens und damit ja wohl in uns selber betrachten; wenn wir es also ohne jede Diskrepanz zwischen innen und außen betrachten; und so denn, dem Gesagten zufolge, auch ohne Diskrepanz zwischen "Ding an sich" und "Erscheinung" oder "Vorstellung". Und zwar durchaus im Kantischen Sinne, wie wir inzwischen gesehen haben. Denn infolge alles dessen erfahren wir unseren eigenen Willen, wie wir ganz genau wissen, und ob wir es wollen oder nicht, als pure Dynamik, Aktivität und Energie, als reines Wirken, das er auch tatsächlich ist, als das "Ding an sich", als das er uns nun zugleich auch "erscheint" und wir ihn uns "vorstellen". Mit der weiteren Folge, dass wir bei der Willens-Analyse für die objektive Richtigkeit unseres Denkens unabhängig davon sind, ob die an den Anfang gestellte naturwissenschaftliche These für den Rest der Natur ausreichend begründet ist oder nicht. Unter anderem können wir gleich jetzt und ohne zusätzliche innere Erfahrung den Schluss ziehen, dass unser Wille, so wie es sich vorhin zu bb) für die gesamte Natur ergeben hat, als pures Wirken, als reine Aktivität zugleich das Bewirkte, das Aktivierte ist und dass er damit denn auch in ursprünglicher Weise und "aus sich selber" ist oder ständig wird.

(39) Außerdem und kumulativ dazu aber sollten wir auch für diese zuletzt genannte Seite unseres Willens den Weg der inneren Erfahrung gehen. Das heißt: wir sollten unseren Willen auch im Sinne von vorhin zu bb) als "Ding an sich" so erfahren, ihn uns so "vorstellen", ihn uns so "erscheinen" lassen, wie er wirklich ist. Das heißt: nicht nur als reine Energie, sondern auch als das, was sich außerhalb der Kausalität befindet: als Wirken ohne Bewirktes im eigentlichen Sinne, als Wirken, das zugleich das Bewirkte im weiteren Sinne ist und mit ihm identisch ist; das infolgedessen ursprünglich oder, in unmittelbarster Begrifflichkeit: "aus sich selber" ist oder "aus sich selber" ständig wird. Allerdings könnte der eine oder andere an diesem Punkt vorübergehend rebellieren: denn wir sind zwar vielleicht gerade eben noch geneigt, unseren Willen in irgendeinem Sinne als etwas Ursprüngliches zu erfahren und insoweit denn auch zu erkennen; aber wir glauben nicht zu erfahren, dass er "aus sich selber" sei. Dagegen wird sich jetzt zeigen, dass wir es in mittelbarer Weise, mit vollkommen ausreichender Sicherheit dennoch ganz genau so erfahren und erkennen können:

(40) Wir wissen auf Grund unserer inneren Erfahrung – also, wie gesagt, ohne Diskrepanz zwischen innen und außen: zwischen Erscheinung und Ding an sich – ganz genau, dass unser Wille, das reine Wirken usw., eine subjektive Kraft ist. Wir wissen ferner ebenso sicher, dass auch unser Intellekt seine Subjektivität, seine subjektive Seite hat; nämlich: das innere Bild, das wir uns zwar von etwas Äußerem, Objektivem, Nichtsubjektivem machen; das aber, obwohl es von diesem nichtsubjektiven Gegenstand mitbestimmt ist, jedenfalls für sich betrachtet immerhin etwas Subjektives ist. Wir wissen außerdem auf Grund der gleichen inneren Erfahrung, dass unser Wille keine bloße Unterabteilung und kein bloßer Wurmfortsatz unseres Intellektes ist, sondern dass er neben ihm zumindest unsere zweite, selbstständige, wenn nicht überhaupt die grundlegendere Kraft unseres Innern ist.

(41) Und wenn wir uns nun infolgedessen darüber Rechenschaft geben, wodurch sich die Subjektivität unseres Willens von derjenigen unseres Intellektes unterscheidet und worin sie besteht, so könnten wir zwar, wie schon gesagt, ohne zusätzliche innere Erfahrung sofort den spezifisch logischen Weg gehen und daraus, dass der Wille reine Aktivität, reines Wirken ist, usw., auf die zu bb)wiedergegebene Art und Weise den Schluss ziehen, dass er "aus sich selber" ist, Subjekt aus Subjekt; und dass darin seine, im Übrigen extreme Subjektivität besteht.

(42) Aber wir können uns bei der Betrachtung des Unterschiedes ebenso gut auch auf die besagte innere Erfahrung stützen: hiernach ist die Willens-Subjektivität die eigentliche und vollkommene Subjektivität. Mit dem psychologischen Kennzeichen: dass der Wille mehr als jede intellektuelle Kraft unseres Inneren in den allerabsolutesten Verruf kommen kann, wenn er seine Subjektivität missbraucht. Oder, in analytischeren Begriffen: seine Subjektivität gilt nicht nur für das Subjekt; sie dient ihm nicht nur, sie ist nicht nur in ihm usw., wie die intellektuelle Subjektivität; sondern sie geht, alles übertreffend, aus dem Subjekt: aus sich selber hervor; sie stammt aus ihm her; und "bringt es" infolgedessen zugleich "hervor": Die Subjektivität besteht darin, dass das Subjekt sich selber hervorbringt; subjektiver geht es nicht: sie ist eine ontische: seinsmäßige Subjektivität; mit anderen Worten: sie ist in dem vorhin wiedergegebenen Sinne ursprünglich und "aus sich selber". Sie ist es auch aus diesem Grund, außer aus dem unmittelbar vorher genannten. Und es geht hier auch nicht – um gedankenlosen Missverständnissen vorzubeugen – um feinste und raffinierteste "Einfühlung"; wir "fühlen uns" nur in Menschen oder Dinge "ein" , die außerhalb von uns sind, die wir nicht selber sind; sondern es geht um die grundlegendsten, notwendigsten, abstraktesten, einfachsten und allgemeinsten Bestimmungen dessen, was wir selber in Gestalt unseres ureigensten Willens und Wesens sind.

(43) Oder auch: wir gehen den experimentellen Weg und versuchen einmal, die Willens-Subjektivität, die voluntative Subjektivität anders zu analysieren denn als Sein oder Werden "aus sich selber" , "aus uns selber". Wobei wir zu dem Ergebnis kommen werden, dass es diesen anderen Weg nicht gibt; dass das "Sein" oder "ständig neue Werden" als solches nur dadurch, dass es "aus sich selber ist" oder "aus sich selber ständig aufs Neue wird" , subjektiv sein kann, – dass die Analyse aber notwendig ist, weil der Ausdruck "Subjektivität" ein undurchsichtiger Plastikpanzer ist.

(44) Oder: wir gehen schließlich auch noch den negativen Weg und versuchen es mit der Hypothese, dass der Wille nicht "aus sich selber" ist. Mit der Konsequenz, dass er "aus anderem" ist, da er ja auf jeden Fall dynamisch und bewegt ist; dass er also eine Wirkursache hat; dass er also von einem anderen Wesen determiniert ist; dass er aus allen drei Gründen nicht subjektiv ist; dass er also schon seiner Definition nach gar kein Wille ist; und dass es infolgedessen gar keinen Willen gibt.

(45) Soviel zu der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, dass die gesamte Natur in nichts als Energie und reinem Wirken besteht; zugleich mit dem bis vor kurzem nicht gezogenen Schluss, dass für den menschlichen Willen als Teil der Natur dasselbe gilt. Soviel ferner: zur puren Energie, zum reinen Wirken, das im menschlichen Willen wie in der übrigen Natur mit begrifflicher Notwendigkeit "aus sich selber" ist;sowie zum Auseinanderfallen von "Erscheinung" und "Ding an sich" bei der außerhalb unseres Willens befindlichen Natur; und zum Zusammenfallen beider in Gestalt unseres eigenen, von uns selbst erfahrenen Willens; mit der Folge der Unabhängigkeit der Willens-Analyse von einer ausreichenden Begründung für die besagte naturwissenschaftliche These. Soviel schließlich zur Bedeutung der Subjektivität unseres Willens, unter anderem im Unterschied zu derjenigen unseres Intellektes. Und sovielzur Natur des Willens überhaupt, die wir im Rahmen der Erörterung der künstlichen Intelligenz untersuchen wollten.

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© www.rochol.net, Dr.Hans Rochol, September 2003.