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(1) Es war am Anfang außerdem von „harten Fakten" die Rede. In dem dazu zitierten Artikel heißt es, im zweitletzten Absatz: „Doch der Graben ist tief zwischen den Neurobiologen und den Philosophen. Die meisten schmoren lieber im eigenen Saft. Hans Super, Neurophysiologe an der Universität Amsterdam, meinte ganz offen, dass er von Geisteswissenschaften und Psychologie nichts Relevantes erwarte – die harten Fakten kämen aus dem Labor. `Aber die meisten Neurowissenschaftler verstehen nur sehr wenig von Philosophie und meinen mit dem freien Willen etwas ganz anderes als die Philosophen´, sagte darauf Henry Markram, Neurobiologe am Brain Mind Institute in Lausanne." Soweit also noch einmal der zweitletzte Absatz des anfangs zitierten Artikels. Und eines müsste nach allem Vorangegangenen inzwischen klar geworden sein: die „harten Fakten" dürfen, sofern sie etwas taugen sollen, sofern sie für die Erforschung des freien Willens überhaupt auch nur grundsätzlich in Frage und in Betracht kommen sollen, nicht aus dem Feld der Beobachtung anderer Wesen, außerhalb unseres eigenen Wesens und Willens herstammen.

(2) Zwar ziehen wir hier auf Wesen, die uns besonders nahe stehen, noch unsere Analogieschlüsse; und zwar tun wir es umso häufiger und umso mehr, je größer unser Format und je größer unser Herz ist; aber streng genommen, und sobald es um mehr geht als um bloße Analogie, gibt es hier, wie gesagt, nur Raum, Zeit und Kausalität; es gibt hier nicht einmal eine Beschränkung der „Erscheinung" auf den Gesichtspunkt der Zeit, wie bei der Betrachtung unseres eigenen Willens. Es bleibt deshalb in diesem Bereich nichts als Determination, nichts als ein Netz von fest miteinander verflochtenen Ursachen und Wirkungen im strengsten Sinne übrig; und unter ihnen kann die Freiheit des Willens, die Freiheit des Subjektiven, auch nicht die geringsten Spuren hinterlassen. Vielmehr können die sogenannten „harten Fakten" zur Erforschung der Freiheit niemals in etwas anderem bestehen als in den Aussagen Einzelner zu den Erfahrungen, die sie mit ihrem eigenen inneren Willen und Wesen gemacht haben; es ändert sich an diesen Aussagen auch nichts Grundsätzliches, wenn die Erfahrungen in Verbindung mit physischen Eingriffen in den Organismus der betreffenden Einzelnen gemacht werden; die „Fakten" werden dadurch allein nicht „härter". Und wir haben so denn auch wohlweislich und, Gott sei Dank, nur solche Aussagen über innere Erfahrungen zugrundegelegt – wie z.B. über den Willen als subjektive Kraft – die jeder Einzelne in gleicher Weise erfährt und erlebt; die jeder bei sich als grundlegend erfährt; und die folglich jeder im zahllosen Menschengeschlecht in endloser Wiederholung an sich selber nachprüfen kann.

(3) Also, zu den „harten Fakten"! Ist von solchen moralistisch-antirationalen Dingen vielleicht in dem Artikel die Rede, den wir anfangs zitiert haben? Fast muss man sich schon schämen, wollte man angesichts eines „harten Faktums" immer noch völlig unbelehrbar an der längst überholten Unart festhalten, von seiner Ratio Gebrauch zu machen. O meine Brüder, was steht höher: die Ratio oder das „harte Faktum"? Was heißt das, dass ein Faktum, eine Tatsache „hart" ist. Steht diese „Härte" vielleicht im Gegensatz zu aufgeweichten Begriffen und zu jemandem, der mit diesen Begriffen über das Faktum nachdenken soll; und entpuppt sich als bisher unbekannter Schöpfer des arroganten Ausdrucks „harte Fakten" vielleicht der Typ, für den es nur diese Alternative gibt: „harte Tatsachen" und aufgeweichte Begriffe oder aufgeweichter Verstand jedenfalls als Normalfall, jedenfalls bei der Gegenseite; und nicht etwa: wahre Tatsachen und vernünftiges Nachdenken über diese wahren Tatsachen? worauf man gar nicht erst kommt – wie sich denn überhaupt hinter dem, was unangenehm imponiert, nur allzu oft nach einiger Zeit eine sehr wenig eindrucksvolle Existenz zu entpuppen pflegt. Jedenfalls steht fest: es genügt, wenn eine Tatsache wahr ist; dass sie „hart" ist, ist Kitsch, Arroganz, Großsprecherei.

(4) Gibt es nun also „harte Fakten" in dem genannten Artikel? Wir haben vorhin unter aa (siehe im Anschluss an das Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht" den 6. bis 11. Absatz !) den „Trick der Natur" ins Auge gefasst, „der uns dazu bringt, unseren Körper zu ernähren, ihn zu schützen und unsere Gene in die nächste Generation zu übertragen." Nun wird vielleicht nicht behauptet, der „Trick" usw. sei ein „hartes Faktum"; aber er ist das Ergebnis der „harten" Deutung verschiedener Fakten; und zwar einer blödsinnig harten Deutung; denn der so genannte Trick ist wie die gesamte Natur zunächst einmal nichts anderes als reine Energie, Dynamik, Bewegung und reines Wirken, und zwar im vorliegenden Fall zur Selbsterhaltung; was aber soll an dieser Selbstverständlichkeit hart und trickreich sein? Man liebt wohl auch die inzwischen abgegriffene pseudopoetische Metapher des Wortes „Trick"; und schon belastet man mit ihm Papier oder Bildschirm, und den Leser. Fehlende Größe erkennt man unter anderem daran, dass Wörter nicht ernst genommen werden; Liebe zu abgegriffenen Effekten, meine Freunde, ist bescheidener, als die Selbstachtung es zulässt. Worin besteht der „Trick"? In der „Illusion von Bewusstsein". Wir haben vorhin unter aa (im 5. Absatz nach dem Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht": Natur des Bewusstseins, bewusstlose Pflanzen) ausreichend begründet, weshalb damit nichts anderes gemeint sein kann als der Wille. Fazit für den jetzigen engeren Zusammenhang: der Wille erhält sich selbst. Denn wir kennen es ja inzwischen (vorhin unter aa: Absätze 6 - 11 nach dem Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht"!): die Natur im Grunde (d.h. als „Ding an sich") ausschließlich als reines Wirken, reine Energie oder Aktivität, reine Dynamik, in ständigem Werden; infolge dieser Reinheit und Ausschließlichkeit (da es dieser Ausschließlichkeit wegen über die reine Energie hinaus usw. ja nichts gibt): die Natur als Wirken ohne eine von diesem Wirken numerisch unterschiedene, passive Wirkung oder Folge im engeren, eigentlichen Sinne, aber mit einer mit diesem Wirken numerisch identischen Wirkung oder Folge im weiteren Sinne; ein Wirken, das folglich „aus sich selber" wird; infolge besagter Ausschließlichkeit: das reine dynamische Wirken zugleich als das Gewirkte, eben als „Sein aus sich selber"; also: die Natur als das „dynamische aus sich selber Seiende"; ein Begriff, der zugleich die Definition des Willens ist; und als Ergebnis: die Natur als Wille, wir sind die Einzelheiten schon durchgegangen. Die Natur als Wille nun aber, die Natur als „dynamisches aus sich Selber" ist nicht nur „aus sich selber"; sondern sie erhält selbstverständlich auch sich selbst, regeneriert sich selbst; sie tut es schon in ihrer Eigenschaft als „aus sich selber Seiendes oder vor allem Werdendes"; und zum „aus sich selber Werden" der Spezies, wenn auch nicht des Individuums, gehört als wichtigster Unterfall die Fortpflanzung. Das ist das, was mit dieser ganz unsauberen Ausdrucksweise vom „Trick der Natur" gemeint ist. Präzisieren wir es noch einmal, wie schon vorhin (an der angegebenen Stelle): Die Natur ist für jedes einzelne der zahllosen Wesen in dieser Welt – und so denn auch für jeden einzelnen von uns Menschen – nichts anderes als derjenige Teil ihrer selbst, der mit vollständiger Deckungsgleichheit eben dieses einzelne Wesen selbst ist, das keinerlei Passivität kennt, das sich infolgedessen selbst bestimmt: das „aus sich selber ist", und das diese Freiheit denn auch nie verlieren kann, weil es in dieser Freiheit selbst besteht: weil es den so genannten Trick bei sich selber ausführt. Und repetieren wir aus diesem Anlass außerdem: woher wissen wir, dass die Natur ausschließlich reine Energie, ausschließlich pures Wirken ist? Die Naturwissenschaft hat es seit geraumer Zeit festgestellt; sie hat damit, bewusst oder unbewusst, zugleich impliziert, dass auch unser gesamtes menschliches Wesen im Allgemeinen und unser menschlicher Wille im Besonderen, unsere gesamte nichtintellektuelle Innerlichkeit, in nichts als Energie, in nichts als reinem Wirken besteht. Jeder von uns erkennt es in dem zuletzt genannten Bereich der Innerlichkeit und Subjektivität außerdem auch ohne Naturwissenschaft mit unmittelbarer Sicherheit; er weiß, dass für Passivität im Willen, schon seinem Begriff nach, kein Platz und kein Raum ist; es handelt sich dabei um eine allgemeine Menschheitserfahrung, auf Grund zahlloser Erinnerungen aus dem eigenen Innern und auf Grund ebenso zahlloser Erinnerungen an die Äußerungen anderer Menschen. Und: wir wissen darüber hinaus, wie gesagt, dass ein All aus reinem Wirken, aus reiner Dynamik zugleich das Bewirkte, damit das „dynamische aus sich selber Seiende" und damit den Willen bedeuten muss. Und man überlege nun, wieso sich aus diesem ganzen in Wahrheit so beschaffenen „Trick der Natur", der unter anderem ein Teil von uns selbst ist, von unserem eigenen „aus uns Selber", also von dem, was wir selber bestimmen, auch nur irgendeine allerabgelegenste Art von Unfreiheit ergeben könnte.

(5) Aber sachte! Wir werden auf verbleibende Einwände schon noch zu sprechen kommen. Der anfangs zitierte Artikel nennt als Beispiele für harte Tatsachen unsere „Gene", den daraus „resultierenden Hormonspiegel", „und Umwelteinflüsse", die uns angeblich „programmieren", also determinieren, die also unsere Willensfreiheit ausschließen sollen.

(6) Was nun die Gene anbetrifft, so liefert uns die Natur, also unsere eigene Natur, also wir selbst schon diesseits begrifflicher („philosophischer") Klärungen ein Argument für die Freiheit. Eine laienhafte Wiedergabe wird dabei nicht schaden: die Laien werden sie verstehen; und die Fachleute können sie bei sich selber präzisieren. Nämlich: dass wir von allen Genen, die wir von unseren Vorfahren erben oder auch übernehmen, nur einen kleineren Teil aktivieren: Tausende oder Zehntausende oder noch mehr, darauf kommt es jetzt nicht an. Und dass wir den ungleich größeren Rest sozusagen ungenutzt lassen. Irgendeine Regelung dieser Art – durch unsere „Natur", also durch uns selbst – konnte man sich schon vorher an fünf Fingern abzählen; denn es liegt ja auf der Hand, dass anderenfalls Vollgeschwister gleich sein müssten; was offensichtlich nicht der Fall ist: Als Genotyp sind sie es, als Phänotyp sind sie es nicht. Wer ist es nun, der die Auswahl trifft, zwischen den zu aktivierenden und den nicht zu aktivierenden Genen! Nach allem, was wir bisher begrifflich ins Reine zu bringen gesucht haben, ist es unser Wille, der die Auswahl trifft.

(7) Dagegen wird der eine oder andere, oder werden vielleicht auch viele den Einwand erheben: der Wille müsse dann den Intellekt zu Hilfe nehmen; d.h. er müsse mit Bedacht, mit Überlegung und Bewusstsein wählen. Dazu aber sei der Intellekt des Embryos und überhaupt unser menschlicher Intellekt zu schwach. Sollten wir aber dennoch irgendwann eine solche gewaltige intellektuelle Leistung wie die Auswahl der Gene erbracht haben, so müssten wir uns daran erinnern. Beides aber ist schlicht und einfach zu bestreiten; wir wissen dafür zu wenig. Wir könnten z.B. – um die unzeitgemäßeste Überlegung zuerst zu durchlaufen – außer unserem jetzigen empirischen Bewusstsein noch ein zweites, vielleicht nicht ganz so empirisches haben; es wäre dann vom ersteren überlagert und würde gegenwärtig auf unendlich schwacher Sparflamme weiterexistieren; es gibt sogar vieles, was dafür spricht. Daraus ergibt sich der Gedanke: wir könnten vielleicht mehr oder weniger lange schon existiert haben, bevor wir im Mutterschoß empfangen wurden: bevor unsere Samenzelle unsere Eizelle befruchtet hat; damals könnten wir, zumindest in dem einen oder anderen Punkt, vielleicht viel intelligenter gewesen sein als heute; oder wir könnten, wenn nicht intelligenter, dann vielleicht empfindsamer gewesen sein, vielleicht auch schlafwandlerisch sicherer; und damals auch könnten wir die Programmierung der Gene und überhaupt unserer ganzen Physis: unserer ganzen Natur, vorgenommen haben – was wissen wir? Es gibt sogar Psychologen, die der Meinung sind, selbst der Embryo verstehe auf seine Weise die Debatte der Eltern über seine eventuelle Abtreibung; und das sei in manchen Fällen die Erklärung dafür, dass Kinder ihre Eltern nicht mögen – ohne sich an Einzelheiten zu erinnern oder irgendwelche intellektuellen Konturen im Kopf zu haben. Dass wir imstande sein müssten, uns an die besagten Zustände regelrecht und im empirischen Sinne zu erinnern, ist, wie ebenfalls schon gesagt, rundweg zu bestreiten: ein vollständiger Gedächtnisverlust infolge von Erschütterungen ist uns sogar als empirische Tatsache bekannt; und die Erschütterung durch eine Geburt oder Wiedergeburt dürfte erst recht groß genug sein, um eine Auslöschung der empirisch bekannten Erinnerung zumindest zur Regel werden zu lassen. Sollte jemand alles das ohne Begründung bestreiten, so ließe sich sein Verhalten nur mit materialistischer Voreingenommenheit erklären; vielleicht lassen sich die besagten Präexistenzen oder präexistenzähnlichen Zustände, auch ohne Schlussfolgerung vom zweckmäßig handelnden Willen her, ausreichend begründen, wir werden sehen. Es besteht außerdem die Möglichkeit der Erklärung mit der Kantischen Kritik der teleologischen Urteilskraft (in seiner „Kritik der Urteilskraft"): hiernach ist eine Lenkung des zweckmäßig handelnden Willens durch den Intellekt für uns zwar denknotwendig; das heißt im vorliegenden Fall: die intellektuelle Lenkung eines Willens, der Gene auswählt, der unsere ganze Natur programmiert, ist für uns zwar denknotwendig; aber sie ist nicht an sich notwendig; ihre Verneinung schließt keinen begrifflichen Widerspruch in sich: Es könnte zahllose andere Möglichkeiten eines zweckmäßig handelnden Willens geben – ebenso wie es ja auch zahllose andere Welten oder Schichten geben könnte als gerade unsere Welt aus Raum und Zeit, die wir uns jedoch ebenfalls gar nicht anders als räumlich und zeitlich denken oder vorstellen können.

(8) Wollte man aber als Erklärung für die Auswahl der Gene durch unseren Willen auch die Kantische Kritik ablehnen – was man aber vernünftigerweise nicht kann – , so muss eben jemand anders für uns denken und gedacht haben: so muss eben der Intellekt eines anderen unseren Willen lenken. Zwingenderweise! Und zwar muss es entweder die gute Mutter Natur gewesen sein, als personifiziertes Wesen; und wir haben gesehen, dass das Unsinn ist; – ist sie aber als Mutter Natur nicht personifiziert, so sind wir selbst die Mutter Natur; jeder für den Bereich seiner eigenen Natur; und so weiter, siehe den vorigen Absatz. – Oder die Götter sind schuld. Oder der eine Gott denkt und bestimmt alles und jedes bei uns; man kennt den Gedanken. Bitteschön, auch gut! Allerdings müssen wir uns noch darüber klar werden, was alles die Existenz eines so gedachten Gottes in sich schließen würde und was infolgedessen von einem solchen Gedanken zu halten ist. Oder es bleibt eben die Kantische Kritik übrig – und/oder nichtempirische Bewusstseinsebenen, ohne dass alles das irgendetwas mit Atheismus zu tun hätte, wie wir vorhin schon einmal gesagt haben und wie es sich später zeigen wird..

(9) Also: es ist unser eigener Wille, der die Auswahl unter unseren Genen trifft: der aus unserem Genotyp unseren Phänotyp macht; und wir haben erstaunlicherweise, geradezu abenteuerlicherweise schon in diesem Stück Wirklichkeit, dessen Bearbeitung zu den Aufgaben der Naturwissenschaft gehört, und nicht zu denen der puren begrifflichen („philosophischen") Klärung, ein sichtbares und greifbares Stück Freiheit vor Augen. Natürlich ist die Reichweite dieses Stückes Naturwissenschaft nicht tief genug; sie kann es nicht sein, weil die Reichweite des Empirischen nicht tief genug ist und wir nur das, was innerhalb des Empirischen bleibt, Naturwissenschaft genannt haben. Das heißt: wir müssten im Anschluss hieran die Frage stellen und beantworten, worin die Gene selbst und ihrerseits bestehen, unter denen die besagte Auswahl getroffen wird; oder auch: in deren Gestalt unser Wille unter ihnen die Auswahl trifft; und es wäre sodann festzustellen, ob etwa durch das, worin die Gene bestehen, unsere Willensfreiheit beeinträchtigt werden könnte. Aber es ist zwischendurch ein kleinerer Exkurs zur empirischen Unbewusstheit des Willens angebracht, weil wir jetzt gerade einen solchen Willen vorausgesetzt haben.

(10) Wir haben im Vorhergehenden – gleichgültig, wo – schon festgestellt, dass der Wille keine bloße Unterabteilung und auch kein bloßes Anhängsel, kein bloßer Wurmfortsatz unseres Intellektes ist; vielmehr ist er eine eigenständige, letzten Endes sogar die grundlegendere Kraft neben unserem Intellekt. Warum ist es gleichgültig, wo wir das festgestellt haben? Weil es sich dabei um eine Tatsache unserer Innerlichkeit handelt, die eben dort auf der Hand liegt und ohne Probleme abgelesen werden kann. Wir haben ferner den Schluss gezogen: da der Wille als eigener Unterfall unserer Innerlichkeit oder Subjektivität neben unserem Intellekt stehe, sei er für sich betrachtet unbewusst; oder genauer: er habe infolgedessen, für sich betrachtet, nicht unser empirisches Bewusstsein, von dem ja vorhin die Rede war; während wir über andere Bewusstseinsschichten oder über die Möglichkeiten anderer Bewusstseinsarten nicht so genau Bescheid wussten. Der Wille ist also, für sich betrachtet, im empirischen, gängigen, alltäglichen Sinne unbewusst; dennoch könnte er grundsätzlich über seine ganze Ausdehnung hin vom empirischen Intellekt und Bewusstsein beleuchtet sein, also von entlehntem Licht profitieren. Natürlich ist das tatsächlich nicht der Fall; die meisten Vorgänge in unserer Innerlichkeit, in unserem Innern, in unserem ganzen Wesen sind, zumindest empirisch, unbewusst; das ist ja auch der Grund, weshalb wir soeben genauere Ausführungen über die Möglichkeit der Auswahl der zu aktivierenden Gene durch unseren Willen machen mussten. Und der Grund der Unbewusstheit des Willens? Seine abgründige Tiefe und die Oberflächlichkeit unseres Bewusstseins. Die abgründige Tiefe aber hat der Wille nicht zufällig, oder nur tatsächlich; sondern er hat sie mit Notwendigkeit; und er hat sie darüber hinaus sogar mit begrifflicher Notwendigkeit. Mit anderen Worten: er hat sie per definitionem: auf Grund seiner Definition. Wie lautet seine Definition? „Das dynamische aus sich selber Seiende", wir sagten es schon. Was aber „aus sich selber" ist, hat keinen Grund, keine Ursache. Also ist unser Wille selbst der Grund unseres gesamten Wesens, da er ja auf irgendeine Weise mit diesem gesamten Wesen verbunden oder mit ihm identisch sein muss, ohne von ihm bestimmt zu werden; daher seine abgründige Tiefe; und auf Grund dieser Tiefe in Verbindung mit der Oberflächlichkeit des Bewusstseins: die weitgehende Unbewusstheit des Willens. Soweit der Exkurs zu diesem Punkt.

(11) Allerdings brauchen wir jetzt einen zusätzlichen Vermerk zur Abgrenzung, in Gestalt der Erinnerung an schon Gesagtes, um Missverständnisse zu vermeiden: Der Wille ist nämlich, wie wir ja wissen, nicht nur der Grund unseres gesamten Wesens und überhaupt jedes einzelnen Wesens in der gesamten Natur; sondern er macht zugleich und zur Gänze dieses Wesen unserer Individualität, aller anderen Individualitäten und der ganzen übrigen Natur in ihrem vollen Umfang aus – wenn wir vom Intellekt auf den höheren Stufen einmal absehen, der aber nichts als ein Werkzeug und eine Widerspiegelung des Willens ist.

(12) Darüber hinaus aber ist der Wille nicht nur reine Energie und Dynamik in ständigem Werden, reines Wirken in uns und in allen anderen Wesen; und er macht damit nicht nur deren gesamte Basis und deren gesamtes Wesen aus. Sondern er ist wegen der gerade besagten Reinheit auch ganz ohne die Passivität einer eigentlichen Folge oder Wirkung (einer Wirkung im strengen Sinne, die von ihrer Ursache unterschieden ist); er ist damit zugleich bei seinem ständigen Werden seine eigene (uneigentliche) Ursache (im weiteren Sinne, insofern sie von ihrer Wirkung nicht unterschieden ist); er ist außerdem wegen seiner Ausschließlichkeit, wie schon gesagt, zugleich das Gewirkte, also das sich selber Wirkende; und er ist so denn aus beiden Gründen: das „dynamische aus sich selber Seiende" usw. Und damit die Freiheit selbst, wie vorhin u.a. gemäß Absatz 6 - 11 im Anschluss an das Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht" unter aa – falls jemand es für besser halten sollte, die Seiten daraufhin noch einmal durchzugehen.

(13) Jedenfalls tritt uns von dort aus die allumfassende und infolgedessen unbesiegbare Macht der Willensfreiheit eindeutig vor Augen. Und zwar erstens ganz allgemein und mit Wirkung für alle möglichen Gesichtspunkte. Vor allem aber angesichts der jetzt zu stellenden Frage, worin die Gene selbst und ihrerseits bestehen, unter denen die vorhin besagte Auswahl getroffen wird; und ebenso, worin diejenigen Gene bestehen, mit deren Hilfe sie getroffen wird; es wird uns bei all dem klar, ob für diese Gene ein Inhalt und eine Bedeutung denkbar sind, durch die unsere Willensfreiheit beeinträchtigt werden könnte, so wie es im Artikel behauptet wird. Das heißt: unsere Gene bestehen wie alles in der Natur selbstverständlich ebenfalls wieder in nichts anderem als in reinem Wirken, in purer Energie und Dynamik; sie gehören wie alles andere dieser allumfassenden Struktur an – gerade sie tun es – und sind infolgedessen ebenfalls wieder Wirken und Bewirktes zugleich: „Ursache" und „Wirkung" ohne Trennung voneinander: und damit Ursache und Wirkung auch hier wieder nur im weiteren Sinne: als „dynamisches aus sich selber Seiendes": als Wille, der sein Sein selber bestimmt; und der aus diesem einzig möglichen, dafür aber auch ganz sicher ausreichenden Grunde frei ist. Und die Konsequenz? Unsere Gene beeinträchtigen nicht nur nicht unsere Willensfreiheit; vielmehr sind sie, ganz im Gegenteil, gerade eine der Gestalten, in denen unser freier Wille unsere Natur und auf dem Weg über sie denn auch unser Verhalten, das aus unserer Natur hervorgeht, als freier Wille, mit Willensfreiheit, völlig frei bestimmt und gestaltet; oder genauer und richtiger: sie sind gerade eine der Gestalten, unter denen sich unser freier Wille zu unserer Natur und auf dem Weg über sie denn auch zu unserem Verhalten, das aus dieser Natur zwingend hervorgeht, als freier Wille: mit Willensfreiheit: völlig frei bestimmt und gestaltet.

(14) Dasselbe gilt aa) selbstverständlich für den (laut zitiertem Artikel) aus den Genen „resultierenden Hormonspiegel" sowie zu aa) für jeden anderen sichtbaren Bestandteil und für jedes andere sichtbare Organ unseres Leibes. Allerdings müssen wir hier bis zu einem gewissen Grad auch bestimmten Organen einen eigenen Willen zugestehen. Ich würde mich dafür gern auf die Weisheit des Sprachgeistes stützen, der auf zahllose unbefangene und entsprechend unfehlbare Erfahrungen zurückgreift: „Das Herz will nicht mehr." „Die Nieren wollen nicht mehr mitmachen." Usw. Aber ich fürchte die außer Frage stehende Überlegenheit nicht ausreichender Intellekte und argumentiere deshalb zum Beispiel lieber mit der medizinischen Praxis der Transplantationen. Was alles aber am Grundsätzlichen gar nichts ändert: gewisse Organe sind frei, sie dienen uns, und unser freier Wille wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die allumfassende Macht der Willensfreiheit (siehe den vorigen Absatz) gilt bb) erst recht für diejenigen Bereiche unseres Willens, die vielleicht nicht mit derselben Direktheit in unserem Leib zum Ausdruck kommen, die wir aber zu bb) als voluntativen Teil unserer Innerlichkeit, wie schon gesagt, in besonders direkter Weise in uns selbst, in unserem eigenen Innern erleben und analysieren können. Das heißt: für den Bereich der so genannten „harten Fakten" zu aa) gilt durchaus nichts anderes als zu bb) für den Bereich der dann ja wohl „weichen Gefühle", mit denen unphilosophische Köpfe – denen Fakten hart vorkommen – die Erfahrung unserer voluntativen Innerlichkeit verwechseln: dessen, was man auch im alltäglichen Sinn unseren „Willen" nennt. Warum bin ich so gereizt? Weil es sehr viel pseudointellektuelle, pseudowissenschaftliche Überheblichkeit gibt: in Verbindung mit dem Fehlen dialektischer Fähigkeiten, und oft mit einem hässlichen Anspruch auf philosophische Fachkompetenz. Also: die „Fakten" sind nur deshalb „hart", weil man nicht die Kraft hat, sie begrifflich zu verarbeiten; daher die intellektuelle Überheblichkeit, die mit solchen dummen Floskeln verknüpft zu sein pflegt. Man war eine ganze Welt weit davon entfernt, in ihnen im Grunde, in Wahrheit (als „Ding an sich") dieselbe „reine Energie" zu erkennen, in denen überhaupt die gesamte Natur besteht; man dachte nicht im entferntesten daran, in der „reinen Energie" der „Fakten" das sich selber schaffende Wirken zu erkennen, das „aus sich Selber", den Willen: die voluntative Subjektivität usw., wie wir es im Einzelnen auseinandergesetzt haben. Denn man hätte sonst bemerkt, dass auch die „harten Fakten" Bestandteile des Willens sind, dass sie, die „harten Fakten", so wie alle anderen Komponenten im Willen, „aus sich selber" sind und dass sie die Freiheit der über sie hinausgehenden Bereiche des Willens ebenso wenig aufheben wie ihre eigene Freiheit, ihr eigenes „aus sich Selber".

(15) Aber man hat es eben nicht bemerkt; und in dieser Stupidität besteht die „Härte" der „Fakten", wie die der Berge, vor denen der Ochse steht. Oder ist das zu hart gesagt? Gut! Es ist ohnehin nicht gegen jeden gesagt; es gilt nur für die, die den Anspruch erheben, unsere Willensfreiheit mit ein paar Experimenten und Allerweltsgedanken widerlegen zu können – manipuliert durch Hintergrundkräfte, versteht sich. Und diesen zuletzt genannten Punkt hätten die scharfsinnigen und realistischen Widerleger der Willensfreiheit zuallererst bemerken müssen. Oder wussten sie es genau, und haben sie es trotzdem mitgemacht? Für diese Fälle gilt: Kommentar überflüssig; man sieht es; man legt die Sache dar, also die Willensfreiheit; und was darüber hinausgeht, sieht man eben nicht. So machen sie es ja auch: sie sehen ja auch sehr vieles nicht. Natürlich stellt man sich bei dem allen die Frage, wer wirklich helfen kann und wer nicht. Und wenn jemand wirklich helfen kann, ist das, was er sagt, selbstverständlich hanebüchen.

(16) Vor allem aber: wenn man die Willensfreiheit widerlegen will – es geht um Widerlegen, wohlgemerkt, und nicht um ein Unentschieden – so ist das keine kleine Sache. Macht man sich daran, ohne vorher die wichtigsten philosophischen Gegenargumente anderer zur Kenntnis genommen zu haben, so ist man überheblich. Das gilt auch dann, wenn einem die Notwendigkeit, die Gegenseite zu kennen, gar nicht in den Sinn gekommen ist; denn einem nicht überheblichen Charakter kommt diese Notwendigkeit in den Sinn. Kurz und gut: man hätte vorher Kant und Schopenhauer zur Kenntnis nehmen müssen, die ihrerseits die Schriften ihrer Vorgänger verarbeitet hatten. Dann hätte man sehr viele von den vorhin genannten Argumenten berücksichtigt; das hat man aber eben nicht; und zwar nicht nur nicht in dem zitierten Artikel. Hätte man dann auch noch meine weitere Arbeit in den vier Ausgaben mitverarbeitet, die ich auf der Homepage genannt habe, und hätte man sie nicht nur zum ungenannten Anlass seiner Ausführungen gemacht, dann umso besser; dann hätte man alle vorhin genannten Argumente berücksichtigt. Darauf aber kam es nicht an; es ging um Gegenpropaganda; es ging nur darum, bei möglichst vielen Menschen, die von anderen Dingen in Anspruch genommen sind, den Eindruck zu erwecken, als ob der konstruktive Teil der Philosophie neuerdings im Sinne dessen, was man wissenschaftlich nennt, endgültig widerlegt wäre.

(17) Also – um auf die Sache und auf das bisherige Ergebnis zurückzukommen – die „harten Fakten" sind Bestandteile des Willens; sie „sind", wie alle anderen Bereiche des Willens, reine Energie, folglich „aus sich selber"; sie heben schon deshalb die Freiheit der übrigen Bereiche des Willens ebenso wenig auf wie diese übrigen Bereiche die der „harten Fakten"; ein freies Wesen macht seine eigenen Bestandteile, also sich selbst, nicht unfrei. Und viele dieser „harten Fakten", allen voran die Gene, sind gerade die Gestalten, unter denen sich unser freier Wille zu unserer Natur und auf dem Wege über sie denn auch zu unserem Verhalten, das aus unserer Natur hervorgeht, als freier Wille: mit Willensfreiheit: völlig frei selber bestimmt und gestaltet.

(18) Aber selbstverständlich haben wir die Willensfreiheit auch jetzt wieder nur als „Ding an sich", in der Schicht des „Dinges an sich", vor Augen; ebenso war es ja auch vorhin, unter aa, als es um den „Trick der Natur" ging: Es war diese dümmlich schicke Ausdrucksweise, die den falschen Eindruck erweckte, als ob es um eine „Natur" ginge, die mit uns etwas macht, ohne uns zu fragen, und als ob wir nicht „selbst" die Natur wären und als solche handelten, durch unsere eigene „Natur", also mit völlig freiem, wenn auch nicht unbedingt! mit bewusstem Willen, mit empirisch bewusstem Willen. Wer will, kann die Zusammenhänge vorhin unter aa (in den Absätzen 6 - 11 nach dem Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht") noch einmal durchgehen. Also: wir haben die Willensfreiheit auch jetzt wieder nur als „Ding an sich" vor Augen! Wir erkennen sie als solches in unmittelbarer Weise, streng genommen, nur in Gestalt unseres eigenen inneren Willens: in seiner reinen, puren Energie – denn anders lässt sich der Begriff des Willens nicht erfassen – und in seinem „aus sich Selber", das sich daraus ergeben hat.

(19) Und wir erkennen sie, in unmittelbarer Weise, nicht einmal ganz so, wie sie wirklich ist; d.h. wir erkennen im „aus sich Selber" zwar die Freiheit als solche; aber wir erkennen sie nicht uneingeschränkt in ihrer Ewigkeit; oder vorsichtiger ausgedrückt: wir erkennen sie nicht uneingeschränkt in ihrer Zeitlosigkeit, wie schon gesagt. Denn das, was wir in der empirischen Realität erkennen, also das, was wir bis zu einer gewissen eingeschränkten Tiefe zu erleben glauben, ist eine sukzessive Kette von Willensakten, die zwangsläufig aufeinander zu folgen scheinen, für die wir uns aber doch zutiefst verantwortlich fühlen und mit denen wir uns letzten Endes auch vollständig identifizieren – und sei es auch nur durch schlüssiges Verhalten – etwa im Sinne der Unveränderlichkeit des Charakters. Was sich nur damit erklären lässt, dass alle diese in der „Erscheinung", in unserer „Vorstellung" auseinanderfallenden Willensakte in Wahrheit: „an sich": in der Schicht des „Dinges an sich": als „Ding an sich" zeitlos und eins sind; als solches sind sie also nicht sukzessiv, nicht aufeinanderfolgend, sondern in einem einzigen, ungeteilten Lebensentschluss zusammengefasst. Wer will, kann auch diese Zusammenhänge weiter oben (unter aa im 12. - 18. Absatz nach dem Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht") noch einmal durchgehen; und zwar sollte er es zusammen mit der letzten Endes gleichgearteten, aber unseren Sinnen noch radikaler „erscheinenden" und höchst gesetzmäßigen Vielheit von Raum, Zeit und Kausalität in der Außenwelt: bei unseren Mitmenschen und den übrigen Stufen der empirischen Wirklichkeit.

(20) Aber gehen wir dieselben Dinge jetzt noch einmal von einer etwas anderen Seite her durch! Wir haben gesehen, und wir haben auch gerade jetzt noch einmal wieder zusammenfassend festgestellt, dass es trotz Willensfreiheit eine Gesetzmäßigkeit gibt: erstens in Gestalt der besagten festgelegten zeitlichen Sukzessivität in unserem Innern: der Unveränderlichkeit des Charakters, und zweitens in Gestalt der übrigen Naturgesetze in Raum, Zeit und Kausalität für die gesamte Außenwelt (zu der auch unser eigenes Äußeres gehört). Gesetzmäßigkeit bedeutet aa) eine gewisse Determination, d.h. eine gewisse Festlegung oder Bestimmung oder auch Festgelegtheit; und sie bedeutet bb) darüber hinaus eine sinnvolle und geordnete Determination. Und wir haben nun zu aa) die Determination, die zusammen mit der Willensfreiheit bestehen muss, so definiert, dass die „aus sich selber" seiende Natur, sich selbst „bestimmt", „determiniert"; und zwar in einem einzigen, in sich schlüssigen zeitlosen Akt; und dass sie folglich trotz „Determination" nach wie vor frei ist; weshalb wir (vorhin unter aa im 9. Absatz nach dem Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht") z.B. zu dem Ergebnis kamen: die Natur sei für jedes einzelne der zahllosen Wesen in dieser Welt nichts anderes als derjenige Teil ihrer selbst, der mit vollständiger Deckungsgleichheit eben dieses einzelne Wesen selbst ist, das keinerlei Passivität kennt, das sich infolgedessen selbst bestimmt und das diese Freiheit nie verlieren kann, weil es in dieser Freiheit selber besteht. Und wir haben zu bb) den Sinn und die Ordnung in der Selbstdetermination, trotz der in Raum, Zeit und Kausalketten auseinanderfallenden „Erscheinungen" der Naturgesetzlichkeit, mit der Einheit und Übersichtlichkeit in der Zeit- und Raumlosigkeit des „Dinges an sich" erklärt; wer will oder wer es für nötig hält, kann auch diese Zusammenhänge noch einmal vorhin unter aa (Absatz 16 - 18 nach dem Zeitungszitat ab „So weit, so schlecht") durchgehen. Und er möge sich zugleich an den Einwand und an die Antworten hier unter bb (im 7. Absatz) erinnern: Danach sind wir nicht notwendig und nicht mit Sicherheit auf unser jetziges alltägliches und empirisches Bewusstsein beschränkt; vielmehr könnten wir irgendwo außerhalb unseres Raumes und unserer Zeit mit Hilfe anderer intellektueller Schichten, höchstselbst und ohne fremde Hilfe, z.B. ohne göttliche Hilfe, und insofern ebenfalls wieder völlig frei, Dinge zweckmäßig geordnet haben, ohne jetzt noch viel davon zu ahnen – so wie es an der angegebenen Stelle genauer ausgeführt ist. Und ferner erscheint dort Kants kritischer Gedanke: die Notwendigkeit einer Lenkung des zweckmäßig handelnden Willens durch einen Intellekt sei zwar für uns denknotwendig; das heißt im vorliegenden Fall: wir könnten uns die freie Festlegung des ewigen Schicksals der Weltwesen durch diese Weltwesen selbst, auch im zeit- und raumlosen „Ding an sich", ohne Mitwirkung eines vielleicht fremden Intellektes zwar nicht denken; aber diese Mitwirkung sei nicht an sich notwendig; ihre Verneinung schließe keinen Widerspruch in sich; und es sei hiermit nicht anders als zum Beispiel mit Raum und Zeit; auch ohne diese beiden könnten wir uns nichts und aber nichts vorstellen; und dennoch seien auch Raum und Zeit keine Eigenschaften der „Dinge an sich". Mit der Konsequenz – aus allen drei genannten Gesichtspunkten – , dass wir auch außerhalb unseres jetzigen empirischen Bewusstseins, „aus uns selber", ohne fremde Hilfe, auch ohne die Hilfe eines fremden Intellektes und damit auch in dieser Hinsicht frei, in zweckmäßiger Weise gehandelt haben können; und dass wir es aus den angegebenen Gründen (reine Energie usw.) auch tatsächlich getan haben. Und nun also Punktum?

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© www.rochol.net, Dr.Hans Rochol, September 2003.