(10) Gönnen wir uns jedoch noch einen kleinen Zusatz, um nicht nur das sachliche, sondern auch das psychologische Bild vollständig zu machen: Die vorhin zitierte Frau Foerst spricht nämlich auch noch davon, dass ihre Roboter, ihre Computer "evolutionär" und "autonom" seien, und fügt, in etwas verschleiernder Begrifflichkeit, hinzu: sie seien "heute schon autonomer, als Sie glauben mögen" ; sowie, zur Begründung dieser Autonomie: "Ihr Verhalten lässt sich längst nicht mehr vorhersagen" ("längst nicht mehr"! man muss eben immer auf der Höhe der Zeit sein). Was nun die Autonomie angeht, so haben wir über die Determiniertheit durch die ausschließliche Indienstnahme und Ausnützung von Naturgesetzen, also über die (empirische) Nicht -Autonomie der zusammengestellten unbelebten Rohstoffe des Computers, schon genug geredet. Auf ganz genau dieselbe Art und Weise schafft man im Übrigen auch "Babymimiken"; , "Lachen"; , "Weinen", "sich Ärgern"; usw. z.B. auf den Gesichtern von Computer-Phantom-Menschen, die mit Sicherheit weder autonom sind noch denken können. Und dass ein Roboter "Tausende verschiedener Gesichtsausdrücke entwickelt, die über die ihm anfangs einprogrammierten Mimiken weit hinausgehen"; , ist infolgedessen schlicht und einfach zu bestreiten, zumindest auf der Grundlage des bekannten, selbstverständlichen Satzes: "Ich bestreite das Gesagte; wer behauptet, muss beweisen (Nego; affirmanti incumbit probatio)". Dass ferner ein Techniker nicht immer alles vorhersagen kann, was sich aus seiner eigenen früheren Arbeit oder aus der seiner Kollegen ergibt, ist nichts Besonderes. Und ebenso wenig sind es die "emotionalen Beziehungen". Die man auch für eine Landschaft, ein Haus, einen PKW, für ein ganz bestimmtes Erbstück oder Ähnliches entwickelt. Mehr aber hat Frau Foerst, der Art nach, nicht erlebt, trotz allem, was sie sagt; niemand hat mehr erlebt, in dem Sinne, um den es jetzt geht. Sodass nur noch der Einwicklungsgedanke übrigbleibt.

(11) Rufen wir uns also ganz kurz dessen Idee in die Erinnerung zurück: die Jahrmilliarden der unendlich geduldigen Entwicklung von Lebendigem nur aus Lebendigem, und nur des allerersten Lebendigen aus dem fast Halb- oder Viertel- oder Quasi-Lebendigen, dem dubiosen, aus Verlegenheit angenommenen Urschlamm – gleichgültig, wie man ihn konstruiert. Und alles das nun eingespannt in die gegenwärtigen Jahrzehnte, in diese Nanosekunde innerhalb der weltgeschichtlichen Entwicklung, mit Plastik und Eisen als Urschlamm! – denn auch hier soll sich ja aus Unbelebtem ein empfindendes, wahrnehmendes und denkendes Wesen "entwickeln"; und es soll sich obendrein noch "langwierig" entwickeln. Ich denke, man ist angewidert von diesem ganzen heillosen Leichtsinn in der Anwendung der Kategorien, von dem unkultivierten, weil unbewussten Unernst, von diesem gesamten after-ästhetischen, modisch schicken und schiefen Schalten und Walten.

(12) An sich, eigentlich, das heißt: wenn man verlangt, dass die Welt auch nur ein ganz kleines bisschen weniger im Argen läge, als sie es tatsächlich tut, dürften solche Ausführungen gar nicht erst notwendig sein; aber sie sind es offensichtlich eben doch! Mit anderen Worten: es handelt sich im vorliegenden Fall um eine Ideologie; das heißt: um eine kollektive, also häufig vorkommende Irrationalität – schließlich war Frau Foerst beim amerikanischen MIT offiziell und regelrecht angestellt! Es ist im Allgemeinen wohl auch nicht schallend darüber gelacht worden; noch hat es, soviel ich weiß, in nennenswerter Anzahl Zornesausbrüche darüber gegeben! – Oder ganz direkt: wir sehen uns hier einem kollektiven Wahn gegenüber; nämlich der Ideologie der "künstlichen Intelligenz" (der K.I., der Artificial Intelligence, der A.I.). Es ist wie in der Welt Drakulas; den Zahlenverhältnissen nach ist es vielleicht sogar noch schlimmer: Man spricht mit diesem, man spricht mit jenem; und man entdeckt immer von neuem: um Gottes willen, auch hier schon wieder haben wir einen dieser befremdenden Anhänger einer anderen Welt, mit der ganz bestimmt nicht das Jenseits gemeint ist. Nietzsche hat einmal gesagt: bei den Individuen, den Einzelmenschen, sei Geisteskrankheit die Ausnahme, beim Kollektiv – er wird an ganze Völkergruppen gedacht haben – sei sie der Normalfall; das heißt, es besteht so gut wie immer irgendeine kollektive Verrücktheit: als da sind: "religiöser Wahn" oder richtiger: verdorbene Religiosität als Wahn, z. B. der kirchliche und weltliche Hexenwahn der Europäer im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit (dessen Beendigung erst durch einen katholischen Priester, Friedrich von Spee, eingeleitet werden musste). Oder der Wahn der Azteken, es seien Menschenopfer notwendig und sie seien es darüber hinaus immer wieder, in ganzen Massen, zu Zehntausenden, weil "die Welt Blut brauche, um sich zu drehen"; auch das eine Behauptung ohne jeden rationalen Grund. Oder auch: Erziehungswahn, z.B. die absolut wirklichkeitsfremde Behauptung, man könne aus jedem "Knaben" durch Erziehung ein Genie machen (so Gotthold Ephraim Lessing "Abhandlungen über die Fabel" , in Lessings Werke, 2.Bd., Insel Verlag, Frankfurt 1967, zitiert nach der "Neuen Solidarität" , vgl. weiter unten). Man hat die zuletzt genannte wunderbare Idee bezeichnenderweise nicht ein einziges Mal zu verwirklichen gesucht; geschweige denn, dass man damit Erfolg gehabt hätte; es ist hiermit wie mit spielenden Kindern: sie glauben an die gespielten Phantasien und glauben auch nicht daran. Nur sollten Erwachsene, unter anderem z.B. die Leute von LaRouche, von diesem menschlichen Phänomen nicht auch noch eine todernste, fanatische Version durchspielen. Weiter gehören dazu: Ökowahn in allen seinen Schattierungen, z.B. der seit Jahrzehnten andauernde Glaube an "das Waldsterben", obwohl sich die Wälder im Wesentlichen durchaus gleich geblieben sind. Oder der Abgaswahn, obwohl die Pflanzen sogar an der Autobahn nach wie vor ganz normal gedeihen; usw. Und so eben auch der Wahn: es trete zu den unbelebten Komponenten eines Computers oder Roboters, der unsere Gedanken prinzipiell nicht anders wiedergibt als ein Lineal den Gedanken einer Linie, schon wegen dieser Wiedergabe von Gedanklichem irgendetwas Menschenähnliches hinzu; oder es "entwickele" sich "langwierig" aus seiner Plastik und aus seinem Metall – "langwierig" ! seht also ja nicht nach, ob wirklich etwas kommt, damit die Ideologen sich nicht blamieren.

(13) Womit wir die Ideologie der "Künstlichen Intelligenz" , der "Artificial Intelligence", hoffentlich einigermaßen richtig wiedergegeben haben. Führen wir uns nun ferner zur Exemplifizierung konkret vor Augen, wie kläglich und absolut unzulänglich die Leistungen von Robotern und anderen Computern realiter und tatsächlich sind, sobald man sie einmal am Maßstab einer "Künstlichen Intelligenz" so misst, als ob es diese Art von Intelligenz wirklich gäbe:

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© www.rochol.net, Dr.Hans Rochol, September 2003.